Prognose für Bevölkerungsentwicklung bis 2025
Der demographische Wandel ist in aller Munde und jetzt auch in Zahlen greifbar. In einer neuen Bevölkerungsprognose sagt die Bertelsmann Stiftung sehr unterschiedliche Entwicklungen für das Ostwestfalen-Lippe des Jahres 2025 voraus. Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie hier im Überblick.
Insgesamt wird die Einwohnerzahl in Ostwestfalen bis zum Jahr 2025 um rund 2 Prozent auf ca. 2,024 Millionen zurückgehen; für Nordrhein-Westfalen insgesamt liegt dieser Wert bei 2,4 Prozent.
Allerdings sind die sechs Kreise und die kreisfreie Stadt Bielefeld von den Folgen des demographischen Wandels sehr unterschiedlich betroffen. Einen positiven Trend bei der Bevölkerungsentwicklung bis 2025 sagt die Bertelsmann Stiftung für den Kreis Paderborn mit plus 4 Prozent voraus. Im Kreis Gütersloh (+0,6 Prozent) und in der Stadt Bielefeld (-0,1 Prozent) wird sich die Bevölkerungszahl im Jahr 2025 auf dem Niveau des Jahres 2006 bewegen. In den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke ist von moderaten Rückgängen der Einwohnerzahl um jeweils knapp 4 Prozent auszugehen. Auf deutliche Bevölkerungsrückgänge von mehr als 6 Prozent müssen sich die Kreise Höxter und Lippe einstellen.
Während im Jahr 2006 noch jeder zweite Einwohner Ostwestfalens jünger als 40,6 Jahre alt war, wird die Hälfte der Bürger in der Region im Jahr 2025 älter als 45,6 Jahre sein. Ein besonders hohes Medianalter mit knapp 50 Jahren ist für den Kreis Höxter zu erwarten. Das niedrigste Medianalter wird mit 43,8 Jahren für den Kreis Paderborn vorausgesagt. Einen überdurchschnittlich hohen Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung werden die Kreise Höxter (8,5 Prozent) und Lippe (8,7 Prozent) aufweisen. Deutlich "jünger" werden nach den Prognosen der Bertelsmann Stiftung der Kreis Paderborn (6 Prozent) und die Stadt Bielefeld (7 Prozent) sein.
Bei den Kindern im Alter von unter drei Jahren werden die höchsten Zuwächse (rund 5 Prozent) für die kreisfreie Stadt Bielefeld vorausberechnet. Im Kreis Paderborn wird die Zahl der unter Dreijährigen geringfügig um 2 Prozent abnehmen. Ein Großteil der Kreise in OWL muss bis zum Jahr 2025 mit teilweise deutlichen Bevölkerungsrückgängen von 6 Prozent und mehr in dieser Altersgruppe rechnen. Im Kreis Höxter wird sich die Zahl der unter Dreijährigen nahezu um ein Sechstel reduzieren. Eine ähnliche Entwicklung wird für die 3- bis 5-jährigen Kinder erwartet. Die Rückgänge im Kreis Höxter betragen hier mehr als 17 Prozent.
Die Zahl der Schulkinder im Alter von 6 bis 9 Jahren (Primarstufe) wird ebenfalls einen ungünstigen Verlauf nehmen: Alle Kreise und kreisfreien Städte werden im Vergleich zum Jahr 2006 an Einwohnern in dieser Altersgruppe verlieren. In Bielefeld sind die Rückgänge mit knapp 6 Prozent verhältnismäßig moderat, während diese im Kreis Höxter mehr als ein Viertel betragen. Deutliche Bevölkerungsrückgänge um 20 Prozent in dieser Altergruppe erwarten auch die Kreise Herford, Lippe und Gütersloh. Die Rückgänge in der Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen (Sekundarstufe I) sind in ihrer Größenordnung und Verteilung mit den Rückgängen in der Primarstufe zu vergleichen.
Auch in der Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen (Sekundarstufe II) verlieren alle Kreise an Einwohnern. Im Kreis Höxter beträgt der Rückgang nahezu ein Drittel. Eine im Vergleich zu den anderen Kreisen "günstige" Entwicklung ist in dieser Altersgruppe für die Stadt Bielefeld und den Kreis Paderborn zu erwarten. Die Bevölkerungsrückgänge betragen hier 17 bzw. 23 Prozent.
Die Gruppe der jüngeren Erwerbstätigen (25- bis 44-Jährige) ist in ganz Ostwestfalen rückläufig. In der Stadt Bielefeld beträgt die Abnahme weniger als 5 Prozent. Im Kreis Höxter sind die Rückgänge mit 23 Prozent in dieser Altersgruppe besonders ausgeprägt. Für die Gruppe der älteren Erwerbstätigen (45- bis 64-Jährige) zeigt sich ein uneinheitliches Bild. In den Kreisen Höxter und Lippe sind moderate Bevölkerungszuwächse zwischen 2 und knapp 5 Prozent zu verzeichnen. Für die Kreise Gütersloh und Paderborn ist von einer deutlichen Zunahme der Zahl der älteren Erwerbstätigen um knapp 17 bzw. 20 Prozent auszugehen.
Die Entwicklung der beiden Gruppen im erwerbstätigen Alter weist somit eine gegenläufige Tendenz auf: Während alle Kreise und die Stadt Bielefeld zukünftig Einwohner im Alter von 25 bis 44 Jahren ("junge potenzielle Erwerbstätige") verlieren werden, verzeichnen sie bei der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen ("ältere potenzielle Erwerbstätige") bis zum Jahr 2025 Einwohnerzuwächse. Der Trend zur Alterung der Erwerbspersonen und zur gegenläufigen Entwicklung der jüngeren und älteren Erwerbstätigen entspricht weitestgehend den Entwicklungen in den anderen Kreisen und kreisfreien Städten Nordrhein-Westfalens.
"Die demographischen Veränderungen stellen Kreise und Städte in Ostwestfalen vor große Herausforderungen", sagte Carsten Große Starmann, Projektleiter der Bertelsmann Stiftung. Die Politik könne aber durch gezielte kommunale Planungen gegensteuern. Als wichtigste Handlungsfelder nannte Große Starmann den Arbeitsmarkt, die Bildung, Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements, Kinder- und Familienfreundlichkeit, Seniorenpolitik, den Wohnungsmarkt und das Zusammenleben der Generationen.
Hintergrundinformation: Demographischer Wandel in Ostwestfalen (208 KB)
Bevölkerungs-Entwicklung 2006 bis 2025 für Städte und Gemeinden (255 KB)



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