Das Urteil im Schiederprozess
Im Prozess um die Pleite des einstigen Möbelriesen Schieder hat das Landgericht Detmold am Vormittag die Urteile gesprochen. Firmengründer Rolf Demuth muss wegen Kreditbetrugs für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.
Damit blieb das Gericht deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die wollte eine Strafe von 4 Jahren und 9 Monaten. Die Strafe wird Demuth wahrscheinlich im offenen Vollzug verbüßen, sagte sein Anwalt Dr. Tido Park im Radio Lippe-Gespräch. Auch der ehemalige Finanzchef des Konzerns muss ins Gefängnis. Er bekam 3 Jahre und 3 Monate. Die beiden anderen Angeklagten wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der zuständige Richter zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang des Verfahrens, das schwierig gewesen sei. Ob die Staatsanwaltschaft in Berufung geht, ist unklar. Vor 4 Jahren musste der Schiederkonzern mit insgesamt 11.000 Mitarbeitern Insolvenz anmelden. Mit Bilanzmanipulationen hatten die Angeklagten versucht, das Unternehmen zu retten.
Aktuelles
Schiederprozess auf der Zielgeraden
In Detmold geht der Schieder-Prozess ins Finale. 32 Verhandlungstage, 69 Zeugen und ein Sachverständiger waren im Betrugsprozess um die Millionenpleite des einstigen Möbelriesens nötig. „Der Vorsitzende Richter Michael Reineke hat den Angeklagten bereits die möglichen Strafen benannt: 3 ½ Jahre für Konzerngründer Rolf Demuth, drei Jahre für den ehemaligen Finanzchef und Bewährungsstrafen für zwei weitere Angeklagte. Heute werden die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung erwartet. Das Urteil soll nach bisherigen Planungen morgen verkündet werden. Kern des Vorwurfes sind gravierende Bilanzmanipulationen.
Vorzeitiges Ende in Sicht?
Heute könnte das Detmolder Landgericht das vorzeitige Ende des Schiederprozesses auf den Weg bringen. Voraussetzung ist, dass Staatsanwaltschaft und Verteidigung dem Ende der Beweisaufnahme zustimmen. Am vergangenen Prozesstag hatte das Gericht den Vorwurf des schweren Betrugs gegen die Angeklagten um Firmengründer Rolf Demuth fallen gelassen. Somit geht es lediglich noch um Kreditbetrug und um ein Strafmaß von bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe. Das Gericht erklärte sein Vorgehen mit der Absicht der Angeklagten den Konzern Retten zu wollen. Sollte die Beweisaufnahme heute zu Ende gehen, könnten die Urteile noch im April fallen.
Zeugen verweigern Aussage
Im Schiederprozess vor dem Detmolder Landgericht haben heute drei wichtige Zeugen die Aussage verweigert. Die Mitarbeiter der polnischen Schiedertochter MMI sollten per Videoübertragung befragt werden. Der frühere MMI-Direktor soll jahrelang gefälschte Bilanzen des Möbelkonzerns unterschrieben haben. Die zwei Zeuginnen sollen Listen angefertigt haben, die auf Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen hinwiesen. Warum sie ihre Aussagen verweigerten, ist unklar, zumal sie nichts zu befürchten hätten, weil die Vorfälle in Polen inzwischen verjährt wären. In dem Prozess müssen sich mehrere Ex-Manager der Schieder-Möbelwerke wegen Bilanzfälschung in Millionenhöhe verantworten.
Prozess mit "Live-Schalte"
Im Schieder-Prozess will das Detmolder Landgericht in der kommenden Woche eine Zeugin aus Polen per Videokonferenz vernehmen. Es handelt sich um den Finanzvorstand der polnischen Schiedertochter MMI. Eines ihrer Schreiben an den Mutterkonzern soll laut Zeitungsbericht Beweise für Bilanzmanipulationen liefern. Dabei ging es um zu teuer ausgewiesene Lagerbestände. In dem Prozess sind drei ehemalige Topmanager des Schiederkonzerns wegen Bilanzfälschung und Kreditbetrugs angeklagt. Unterdessen herrscht beim insolventen Schiedernachfolger „Wohnmöbelwerke Schieder“ Zuversicht. Die Produktion laufe und die Nachfrage stimme, heißt es.
Überdurchschnittlich viele Ausgleichszahlungen
Im Schiederprozess vor dem Detmolder Landgericht hat heute ein Unternehmensberater aus Hamburg ausgesagt. Ihm sei aufgefallen, dass der Möbelkonzern überdurchschnittliche viele Konsolidierungsbuchungen von Tochterunternehmen erhalten hatte. Die Zahlungen sollen dazu gedient haben, die Finanzprobleme des Mutterkonzerns auszugleichen. Der Berater hatte die Aufgaben, die Finanzen des ehemals größten Möbelkonzerns Europas zu überprüfen. In der kommenden Woche wollen die Richter einen Ex-Geschäftsführer von Schieder Möbel befragen. Ob er aussagt, ist noch offen. Im Prozess sind drei ehemalige Manager und Firmengründer Rolf Demuth wegen Kreditbetrugs und Bilanzfälschung in Millionenhöhe angeklagt.
Zwist im Gerichtssaal?
Beim jüngsten Verhandlungstag im Schiederprozess stand die Vernehmung des Hauptbelastungszeugen an. Die Verteidigung warf dabei dem vorsitzenden Richter vor, den Mann unkorrekt zu befragen. Laut einem Zeitungsbericht störten sich die Anwälte an suggestiven und unkonkreten Fragen. So habe der Zeuge über Stunden Mutmaßungen über mögliche Bilanzmanipulationen verbreiten können. Der Mann sollte zu den Vorgängen bei der polnischen Schiedertochter MMI aussagen. Dorten sollen Lagerbestände manipuliert oder erfunden worden sein, um an Kredite zu kommen. Der Zeuge gab an, sich nicht an Details erinnern zu können und verwies auf seine Aussagen vor 4 Jahren, die das Verfahren in Gang gebracht hatten.
"Demuth hat vieles nicht gewusst"
Im Schiederprozess vor dem Detmolder Landgericht hat gestern der Insolvenz-Spezialist Helmut Balthasar ausgesagt. Wie die LZ berichtet, sagte er aus, dass der ehemalige Beiratschef Heinrich Griem mehr gewusst habe als er sagt und Konzerngründer Rolf Demuth beraten habe. Demuth selbst habe dagegen vieles nicht gewusst, so der Insolvenzanwalt. Er berichtete außerdem, dass er zunächst zwei Anwälte zum Schieder Möbelkonzern geschickt habe, um vor dem Insolvenzantrag die Bilanzen zu prüfen. Die Controller seien erst auf die Anwälte zugekommen, als auffiel, dass in der Bilanz 100 Millionen Euro fehlten. Heute steht der nächste Verhandlungstag an. Im Prozess sind vier Ex-Manager wegen Bilanzfälschung und Kreditbetrugs in Millionenhöhe angeklagt.
Keine Milde zu erwarten
Der Schieder-Prozess wird das Detmolder Landgericht noch mindestens bis September beschäftigen. Unterdessen droht dem Gründer von Europas einst größtem Möbelkonzern, Rolf Demuth, eine Gefängnisstrafe. 19 Verhandlungstage hatte das Landgericht hinter sich gebracht, als der Vorsitzende Richter Michael Reineke einen Überblick über den weiteren Verlauf und den aktuellen Stand gab. Reineke kündigte an: Sollten die beiden Hauptangeklagten, Rolf Demuth und der frühere Finanzchef J., verurteilt werden, würden sie nicht mit einer Bewährungsstrafe davonkommen. Zu diesem Ergebnis sind Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung in einem Rechtsgespräch gekommen.
Schieder-Prozess: Über'n Tisch gezogen?
Die Schieder-Möbelwerke seien von den Banken über den Tisch gezogen worden. Das hat der ehemalige Interims-Geschäftsführer Dr. Ulrich Wlecke heute vor dem Detmolder Landgericht ausgesagt. Laut ihm hat der Schiederkonzern bei Abschlüssen von Kreditverträgen beispielsweise alle Anwaltskosten der beteiligten Banken übernehmen müssen. Dies seien Beträge im siebenstelligen Bereich gewesen. Er selbst sei von Mitarbeitern der Buchhaltung auf Unregelmäßigkeiten angesprochen worden, woraufhin er veranlasst habe, die Daten sofort zu sichern. Ebenfalls ausgesagt hat heute ein Firmenkundenbetreuer der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold. Die Bank habe sich mit drei Millionen Euro an Krediten beteiligt. Dass die Schieder-Werke Probleme hatten, sei aber zu dem Zeitpunkt nicht bekannt gewesen. Unterdessen haben die Anwälte der angeklagten ehemaligen Manager neue Beweisanträge gestellt. Sie bezweifeln, dass die vorgelegten Zahlen über die Warenvorräte in den polnischen Werken des Konzerns realistisch sind. Laut Verteidigung seien die Vorräte nicht so gering gewesen wie die Staatsanwaltschaft behauptet. In dem Fall hätten die Werke in Polen gar nicht überlebt, heißt es. In dem Prozess geht es um Bilanzfälschung in Millionenhöhe.
Programmierer sagte aus
Im Schiederprozess hat heute unter anderem ein ehemaliger Programmierer des Konzerns ausgesagt. Er war für die Inventursoftware zuständig. Wie uns eine Gerichtssprecherin sagte, wurde der Programmierer 2005 zu Umbuchungen angewiesen. Er sagte aus, dass er technische Mängel in der Inventursoftware für ausgeschlossen hält. Der Vernehmung eines weiteren Controllers brachte keine neuen Erkenntnisse. Bei dessen Befragung ging es um den möglicherweise manipulierten Verkauf von Markenrechten. In dem Prozess müssen sich 4 Ex-Manager des Konzerns wegen Kreditbetrugs in großem Stil verantworten.
Die Sicht der Bank
Am heutigen Verhandlungstag im Schiederprozess musste ein Mitarbeiter der Sparkasse Detmold Rede und Antwort stehen. Dabei ging es um die Frage, in wie weit der Bank das Risiko im Fall Schieder bekannt war. Der Mitarbeiter sagte aus, dass sich die Sparkasse nicht an der nötigen Umschuldung des Unternehmens beteiligt hatte. Grund war, dass der geforderte Kredit 70 bis 80 Millionen Euro über den Verbindlichkeiten des Unternehmens lag, sagte eine Gerichtssprecherin im Radio Lippe-Gespräch. Für die Sparkasse sei das zu waghalsig gewesen. Für Freitag kommender Woche hat Richter Michael Reinecke einen Ortstermin in den Räumen der Sparkasse angekündigt. Dann sollen weitere Unterlagen gesichtet werden.
J. spricht
Am sechsten Verhandlungstag im Schiederprozess hat der ehemalige Finanzgeschäftsführer J. ausgesagt. Laut einer Sprecherin des Detmolder Landgerichts gestand der 45-Jährige, von einem Teil der Bilanzfälschungen gewusst zu haben. Er habe den Firmengründer Rolf Demuth und den Ex-Beiratschef Heinrich Griem darauf angesprochen, sagte J.. Die hätten ihn vertröstet, dass man die Altlasten beseitige und das Unternehmen umstrukturiere. Als der Angeklagte aussteigen wollte, soll die Geschäftsführung ihn damit emotional unter Druck gesetzt haben, dass sonst das Ende der Schieder-Werke drohe. In dem Prozess müssen sich mehrere ehemalige Topmanager wegen Bilanzfälschung und Kreditbetrug verantworten.
J. unter emotionalem Druck?
Im Schiederprozess hat heute der ehemalige Finanzgeschäftsführer J. ausgesagt. Der 45-Jährige räumte ein, gewusst zu haben, dass die Bilanzen teilweise nicht in Ordnung waren. Laut einer Gerichtssprecherin sagte J. aus, den Firmengründer Rolf Demuth und den ehemaligen Beiratschef Heinrich Griem auf die Ungereimtheiten angesprochen zu haben. Er sei vertröstet worden, dass man die Altlasten beseitige und das Unternehmen umstrukturiere. Als J. aussteigen wollte, habe die Geschäftsführung ihn emotional unter Druck gesetzt, das Unternehmen gehe sonst den Bach runter. Mehrere Ex-Geschäftsführer sollen durch Bilanzfälschungen mehrere Hundert Millionen Euro Schaden verursacht haben.
"Schieder-like frisiert"
Richter Michael Reineke hat heute einen der wichtigsten Zeugen im Schieder Möbel-Prozess befragt. Der ehemalige Schieder-Bilanzbuchhalter hatte mit seinen Aussagen gegenüber externen Beratern und später auch gegenüber Rechtsanwälten den Prozess erst auf den Weg gebracht. Am dritten Verhandlungstag gegen vier ehemalige Manager des einst größten Möbelunternehmens Europas offenbarte der Zeuge Einblicke in die Bilanzfälschungs-Welt der Schieder Möbel Holding. Von einer „Schwarzen Liste“ und von einem schlechten Gewissen war die Rede. Am Ende habe er reinen Tisch machen und einfach ehrlich seien wollen. Konkret belasten konnte der ehemalige Bilanzbuchhalter allerdings nur den bereits geständigen Ex-Schieder-Controller Andreas Hilbrink.
Einblick in die Machenschaften
Am zweiten Verhandlungstag im Schieder-Prozess hat Richter Michael Reineke die Angeklagten ins Visier genommen. Ex-Controller Andreas Hilbrink verschaffte der Außenwelt mit seinen Antworten erstmals einen Einblick in die „Bilanzfälschungs-Welt“ des ehemals größten europäischen Möbelherstellers, der Schieder Möbel Gruppe. Immer wenn uns die legalen Ideen ausgingen, um einen Verlust zu kaschieren, manipulierten wir die Bilanzen, sagte Hilbrink. Er gab vorm Detmolder Landgericht zu, in Sachen Fälschungen oft der „kreative“ Kopf gewesen zu sein. Firmengründer Rolf Demuth dagegen gab zwar Fehler zu, in Finanzangelegenheiten habe er sich aber immer voll auf seine Mitarbeiter verlassen. Vier ehemalige Schieder-Manager sind angeklagt - Banken sollen aufgrund gefälschter Bilanzen mehrere hundert Millionen Euro Kredite bewilligt haben.
Beiträge
11.11.2010 Der achte Verhandlungstag
Im Schieder Möbel-Prozess hat der Mitarbeiter einer Bank den angeklagten Managern heute Überforderung vorgeworfen. Der geladene Zeuge sprach von 40 Millionen Euro auf einem Konto und fragenden Blicken bei Bank-Mitarbeitern. Am achten Verhandlungstag ist außerdem der Haftrichter gehört worden, der Schieder-Gründer Rolf Demuth vernommen hatte. Der konnte sich aber an nichts mehr erinnern. Im Bilanzfälschungsprozess gegen vier ehemalige Manager der Schieder Möbel-Gruppe sollen heute außerdem noch ein Mitarbeiter einer Rating-Agentur und ein Banker der West LB gehört werden. Den vier angeklagten wird vorgeworfen, sich hunderte Millionen Euro an Krediten erschlichen zu haben.
16.09.2010 Der zweite Prozesstag
„Möbel machen mir Spaß“, sagte Schieder Möbel-Gründer Rolf Demuth heute vor Gericht. Dass ihm auch die Manipulation von Bilanzen nicht fremd war, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor…
27.08.2010: Der Prozessauftakt II
Erst hatte er sich monatelang die Finger in Aktenbergen wund geblättert, Mitte der Woche dann die Ohren wund telefoniert: Richter Michael Reineke. Der Grund: Der umfangreichste Prozess, der je am Detmolder Landgericht stattfand: Der Schieder-Prozess.
26.08.2010: So begann der Prozess
Frank Schröder hat den Prozess für Sie im Blick:
26.08.2010: Fragen an den "Insider"
Fachjournalist Simon Feldmer arbeitet beim Branchenblatt „Inside" und spricht mit uns über die Rolle des Prozesses und seiner Hauptfigur am Markt.
26.08.2010: Schieder: Die Story
Frank Schröder zeichnet die Geschichte des Möbelriesen Schieder und seines Gründers Rolf Demuth vor Prozessauftakt nach
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