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Leslie Runde
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Mädchen tippen am Rechner

Wenn Hobby-Rechercheure Fakenews entlarven und bittere Wahrheiten aufdecken

27. November 2023

  • Falschmeldungen sind gerade in Kriegszeiten ein immer größer werdendes Problem.
  • Amateurdetektive wie Expertinnen und Experten nutzen OSINT(Open Source Intelligence)-Techniken, um Falschmeldungen aber auch Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen aufzuklären.
  • OSINT-Rechercheure nutzen die Informationen aus frei verfügbaren Quellen wie z.B. Geodaten und Bilder aus Social Media Quellen.

„Dank OSINT wissen wir, wer für die Massaker in Butscha verantwortlich ist, wer Alexej Nawalny vergiftet hat und wie der Rechtsterrorist von Christchurch sich im Netz radikalisierte.“

Benjamin Hinrichs, Reporter für Macht und Demokratie bei den Krautreportern

Vom Raketenanschlag, der keiner war…

Es ist der 17. Oktober 2023. Die Bilder des Al-Ahli-Arabi Krankenhauses in Gaza-Stadt gehen um die Welt. Erste Informationen besagen, eine israelische Rakete habe das Gebäude getroffen und dadurch laut Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums den Tod von ca. 500 Zivilistinnen und Zivilisten verursacht. Doch schon bald stellt sich heraus: Das Krankenhaus wurde nicht direkt getroffen, die Todeszahlen liegen weit unter den behaupteten und der Ursprung der Rakete ist ungeklärt. Herausgefunden wurden diese Fakten durch den Einsatz von Open Source Intelligence (OSINT).

Eine (Sint-)Flut an Informationen

Fast jeder kriegerische Konflikt geht heute mit einer nie dagewesenen Menge an Informationen in Form von Bildern, Videos und Beiträgen einher. Diese Informationskriege, wie es auch die Bundesakademie der Sicherheitspolitik betont, sind eine besondere Herausforderung. OSINT ist in dieser Situation ein wichtiges Recherche-Werkzeug, um Falschnachrichten zu entlarven und die Wahrheit zu finden. Dabei werden von einer mittlerweile weltweit agierenden Community alle online verfügbaren Informationen zu einem Ereignis gesammelt. Diese Videos, Bilder und Beiträge, u.a. auch aus sozialen Netzwerken, werden anschließend umfassend analysiert. Durch den Abgleich mit offiziellen Berichten der Ereignisse, wird das Geschehene unter Nutzung unterschiedlicher Tools rekonstruiert. Diese Form einer breiten Investigativ-Recherche half teils grausige Wahrheiten herauszufinden:

„Wir haben bewiesen, dass der syrische Diktator Bashar al-Assad Chemiewaffen auf sein eigenes Volk abgefeuert hat. Wir haben gezeigt, wer hinter dem Abschuss von Flug MH17 steckt. Wir haben ISIS-Unterstützer in Europa geortet. Wir haben die Neonazis identifiziert, die in Charlottesville randalierten,“

zitiert Benjamin Friedrichs einen der OSINT-Begründer Elliott Higgins.    

Transparenz steht im Vordergrund

Die Transparenz der Recherche steht für OSINT-Rechercheure im Vordergrund. Dritte sollten jederzeit erkennen können, auf welcher Basis bzw. welche Quellen für die Analyse der untersuchten Ereignisse genutzt wurden. Die Recherche-Plattform Bellingcat bezeichnet sich selbst als „die Heimat der Online-Ermittlungen“. Auf der Website des nicht gewinnorientierten Netzwerks kann die Arbeit der Rechercheure nachvollzogen werden. „Bellingcat ist ein internationales Recherchekollektiv bestehend aus Rechercheuren, Investigativ- und Bürgerjournalistinnen, die zu verschiedensten Themen Open-Source-Recherchen durchführen,“ heißt es auf der Website des in Amsterdam sitzenden Netzwerks. Neben Informationen zu den aktuellen Untersuchungen, finden sich hier auch Tipps zu Tools, die Rechercheure und auch Forscher bei ihren Aufdeckarbeiten unterstützen.

Die ersten Werkzeuge für angehende Onlinedetektive

Geolokalisierung ist eines der ersten Werkzeuge, mit dem die OSINT-Recherche beginnt. Dabei wird versucht, mit verschiedenen Werkzeugen den Ort und die Zeit zu ermitteln, wann und wo genau das entsprechende Video oder Bild aufgenommen wurde. Im Internet gibt es mehrere frei verfügbare Tools, mit deren Hilfe diese Informationen z.B. durch den Sonnenstand bestimmt werden können. Unabhängig vom Motiv können auch aus der Bilddatei selbst wertvolle Informationen gewonnen werden. Die sogenannten Meta-Daten sind in jedem Bild enthalten und können darüber aufklären, wann und wo das Bild mit welcher Kamera geschossen wurde. Das Portal fotowissen.eu zeigt, wie auf diese Daten zugegriffen werden können. Wer sich intensiver für OSINT-Ermittlungen interessiert, findet beim Online-Magazin Krautreporter die Grundlagen für diese Recherche-Arbeit. Benjamin Hindrichs beschreibt, wie neben Geolokalisierung auch Internet-Archive und Suchoperatoren bei den Ermittlungen helfen können. 

Geolokalisierung spielend lernen

Wer spielerisch erste Erfahrungen zu OSINT-Techniken sammeln möchte, sollte sich das Geografiespiel GeoGuessr anschauen. Dabei werden die Spieler „irgendwo auf der Welt abgesetzt“. Ihre Aufgabe - anhand von Informationen aus der Umgebung den Ort zu identifizieren, an dem sie gelandet sind. Dabei nutzen die Spieler jeden noch so kleinen Hinweis wie z.B. auffällige Gebäudemerkmale, besondere Pflanzenarten, den Sonnenstand oder Straßenschilder. Profis geben auf YouTube gerne Tipps, wie GeoGuessr erfolgreich ihren Standort identifizieren. GeoGuesser ist als App kostenlos verfügbar.


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