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Film [Animation, Familienfilm, Rewatch]

Ratatouille

Disney+
Animation, Familienfilm, Rewatch

Heute geht es nicht nur um einen absoluten Kindheitsklassiker, sondern auch um die wahrscheinlich fragwürdigste Oscar-Kategorie, die jedes Jahr verliehen wird: die Auszeichnung als Bester Animationsfilm.

Schon seit einer Weile frage ich mich, wieso animierte Filme nach wie vor gesondert vom Rest der Industrie betrachtet werden. Mittlerweile stecken schließlich in jedem größeren Film mehr als genug Special Effects und visuelle Nachbearbeitung. Trotzdem befindet sich der Animationsfilm in einem unerklärlichen Stigma gefangen, das meist mit kindlichem Humor und einer gewissen Anspruchslosigkeit assoziiert wird.

Ein Plädoyer für den Animationsfilm

Ratatouille ist allerdings ein perfektes Beispiel, um all diese Vorurteile zu widerlegen.

Im Erscheinungsjahr 2007 waren es vermutlich vornehmlich Kinder, die - wie ich - mit großen Augen vor der Leinwand saßen und sich in die kleine, abstruse Erzählung der Ratte verliebt haben, die nach Paris auswandert, um Sternekoch zu werden. Doch mit jedem Jahr, und damit mit jedem Rewatch, tut sich an der Geschichte etwas Neues auf, etwas, das definitiv auch den Oscar als bester Film verdient hätte, anstatt "nur" den als Bester Animationsfilm.

„Jeder kann kochen, doch nur die Furchtlosen können großartig sein"

Die grundlegende Story erzählt sich relativ simpel: die mit hervorragendem Geruchs- und Geschmacksinn gesegnete Ratte Remy landet durch Zufall in Paris, wo sie sich mit der talentlosen Küchenhilfe Linguini zusammentut, um ein vom Abstieg bedrohtes Sterne-Restaurant wieder an die Spitze zu bringen.

Doch hinter dieser Prämisse verbirgt sich sehr viel mehr: der Film ist ein Liebesbrief an Paris, an gutes Essen und Genuss. Er erzählt eine Geschichte von Aufstieg und Fall, von Identitätssuche und dem Konflikt zwischen Individualität und familiären Konservatismus. Eine klassisch vorhersehbare Erzählstruktur sucht man vergebens, denn stets tut sich eine neue Wendung in dem Film auf und bringt eine neue Idee hervor, die so ergreifend wie bezaubernd ist. Man muss keinen persönlichen Bezug zu Essen, Frankreich oder Ratten haben, um den Film zu lieben, aber hinterher ist man ganz sicher Fan von allen dreien.

Eine Liebeserklärung an das Kino

Regisseur und Drehbuchautor Brad Bird beweist mit einer charmanten Leichtigkeit, wie einnehmend ein Film sein kann, der sich scheinbar eher an ein jüngeres Publikum wendet. Zwischen toller, ausdrucksstarker Animation und liebenswerten Charakteren findet sich am Ende vor allem die offensichtliche Liebe aller Beteiligten für ihr Handwerk. Der Soundtrack versetzt einen sofort in ein kleines, romantisches Cafe in Paris und stürzt einen in die tiefe Sehnsucht, seiner inneren Leidenschaft bis an die Seine zu folgen, oder bald wenigstens mal wieder ausgiebig für die Familie zu kochen. Sicherlich spielt bei Filmen aus der Kindheit immer eine große Prise Nostalgie mit. Ratatouille ist den meisten allerdings vermutlich nur noch verschwommen im Gedächtnis und deswegen nutze ich diesen Film-Freitag für eine Rewatch-Empfehlung. Ob alleine, zu zweit oder mit der Familie, Ratatouille wickelt sicher jeden um den Finger.

Fazit:  4,5/5 Sternen an Gusteaus Restaurant-Fassade. Für Rat(t)atouille ist man einfach nie zu alt.