Responsive image

on air: 

deinfm
---
---
Budapest Hotel
Film [Drama, Komödie, Schräg]

The Grand Budapest Hotel

Netflix, Disney+
Drama, Komödie, Schräg

 

Wes Anderson Filme sollten eigentlich ein ganz eigenes Genre sein: kaum ein moderner Filmemacher hat so eine erkennbare Handschrift wie der amerikanische Regisseur. Geometrische, perfekt geplante Cinematographie, schrullige Charaktere und Geschichten, die sich in immer schrägeren Spiralen drehen. Mit jedem Film scheint der Regisseur tiefer in dem Sog seines eigenen Images zu ertrinken, und The Grand Budapest Hotel ist vielleicht der "Wes-Anderson-igste" Wes Anderson Film von allen.

 

Ein Film wie eine Boutique

Wäre The Grand Budapest Hotel ein Song, dann wäre der Film eine klassische Sonate, denn hier sitzt jede Note. Das gesamte Machwerk in und um die Filmwelt orchestriert sich in einem perfekt abgestimmten, virtuosen Zusammenspiel der Bilder, Töne und Farben - und selbst, wenn das längst nicht jedermanns Geschmack entspricht, so kommt man doch nicht drum herum, mindestens die Kunstfertigkeit hinter den sorgsam komponierten Bildern anzuerkennen. Es gibt kaum eine Szene, die man sich nicht eingerahmt ins Wohnzimmer hängen könnte. Hier sitzt jeder Shot, jedes Stück Requisite hat seinen Platz und die Charaktere wirken wie die Statisten einer wunderschön konstruierten Szenerie. Wes Anderson gibt sich keine Mühe, die Künstlichkeit des Films zu verbergen, im Gegenteil: er zelebriert sie mit jeder einzelnen Aufnahme.

 

 

Eine Geschichte mit Stars und Sternchen

Mitten in dieser wunderbaren Welt aus Quadraten, Farbschemen und Mustern tummeln sich außerdem so einige bekannte Gesichter: Jude Law (Sherlock Holmes), Jeff Goldblum (Jurassic Park) und Ralph Fiennes (Harry Potter) sind nur drei Namen aus dem Cast, der so hochkarätig ausgewählt ist, dass man ihn ohne weiteres in ein Juwelier-Schaufenster stellen könnte. Hier passt einfach alles, und man spürt, dass Wes Anderson sich dessen bewusst ist. Eineinhalb Stunden macht der Filmemacher keinen Hehl daraus, wie viel Spaß er daran hat, zwischen Erzählebenen hin und her zu springen und seine schrulligen Charaktere von einer Eskapade in die nächste zu schicken. Und dabei bleiben vor allem die Szenerien im Kopf, die die Story beinahe in den Hintergrund rücken lässt. Alles dreht sich um das große Grand Budapest Hotel, das seine glorreichen Tage unter dem von Fiennes gespielten Concierge bereits hinter sich hat. Und dann gibt es da noch jede Menge adelige Senioren, einen skandalösen Kunstraub und den Aufstieg des Nationalsozialismus.

 

Schönheit ermüdet

Wer einen spannungsgeladenen, mitreißenden Actionstreifen sucht, der sollte seine Erwartungen lieber anpassen: denn The Grand Budapest Hotel ist ein Film um des Films Willen. Wir lachen, wir staunen und wir bewundern - aber hin und wieder kann man auch nicht anders, als zu gähnen. Der Film hat seine Längen, und auch, wenn es immer was zu Gucken gibt, so vergisst man am Ende doch relativ schnell wieder, worum es ursprünglich eigentlich ging.

 

Fazit:  3,5/5 rosa Kuchenschachteln. Ein Film wie ein Gemälde: wunderschön, aber wer kein Kunstfan ist, braucht einen langen Atem.