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Daniel Hobein
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Nachrichten aus dem Kreis Lippe

München | Liebesbetrug mit «Rosenheim-Cops»

Zahlreiche Menschen werden jedes Jahr Opfer von Liebesbetrug im Internet. Die Behörden haben nun einen besonderen Fall öffentlich gemacht. In dessen Zentrum: «Die Rosenheim-Cops».

Die Rosenheim-Cops zu Gast im Justizpalast

Die Rosenheim-Cops zu Gast im Justizpalast

Die Minister und die Schauspieler warnen vor der Betrugsmasche.

Die Minister und die Schauspieler warnen vor der Betrugsmasche.

Gemeinsamer Auftritt im Justizpalast

Gemeinsamer Auftritt im Justizpalast

Moderner Heiratsschwindel

München (dpa) - Allein im vergangenen Jahr haben die Behörden in Bayern 450 Fälle von Liebesbetrug im Internet gezählt. Der Schaden: 5,3 Millionen Euro. Und das sei vermutlich nur die Spitze des Eisbergs, weil viele Fälle nicht angezeigt werden - aus Scham der Opfer über die eigene Gutgläubigkeit, wie Bayerns Justizminister Georg Eisenreich und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München mitteilen. 

Liebesbetrug mit «Rosenheim-Cop»

In diesem Jahr kam ein ganz besonderer Fall dazu, in dessen Zentrum die beliebte ZDF-Serie «Die Rosenheim-Cops» steht. Der Bürgermeister einer oberbayerischen Gemeinde hatte sich nämlich an Schauspieler Dieter Fischer (53) gewandt, der in der Serie als Kriminalhauptkommissar Anton Stadler zu sehen ist. 

Das Problem: Die Mutter des Bürgermeisters hatte jemandem, der sich auf Facebook als dessen Kollegen Igor Jefti? (spielt Kommissar Sven Hansen) ausgegeben hatte, Geld gegeben - viel Geld, insgesamt 35.000 Euro. Wer dahintersteckte, ist nach wie vor unklar. Klar ist nur: Jefti? war es nicht. 

Er sei «wirklich schockiert» gewesen, sagt Jefti? im Münchner Justizpalast, wo er gemeinsam mit Fischer und den beiden Ministern über die Betrugsmasche informiert. Schockiert, «weil es mit mir zu tun hatte und ich Angst hatte, dass ich beweisen muss, dass ich das nicht bin». Er habe dann sogar mit der Frau gesprochen, die davon ausging, wochenlang mit ihm über Facebook und den Messenger Telegram geschrieben zu haben. «Bis zuletzt hat sie das nicht glauben können, dass ich das nicht bin.»

Betrugsmasche ist Wirtschaftszweig

Die Betrugsmasche ist nicht neu: In sozialen Medien und auf Dating-Seiten geben Kriminelle sich als wohlhabende Singles aus - gerne als Ärzte oder ausländische Soldaten. Sie bauen Vertrauen zu ihren Opfern auf, manipulieren sie mit Liebesschwüren und bitten schließlich wegen einer angeblichen Notlage um Geld. Hinter den falschen Identitäten stecken meist Kriminelle in Callcentern; oft in Nigeria wo der moderne Heiratsschwindel - Love Scamming genannt - ein regelrechter Wirtschaftszweig ist. Ist das Geld erstmal überwiesen, ist es meist unwiederbringlich weg. Immer öfter geben sich die Kriminellen inzwischen auch als Prominente aus und machen unter deren Fans im Internet Jagd auf ihr nächstes Opfer. 

Kriminelle hackten Facebook-Konto

In Jefti?s Fall hackten die Kriminellen sogar sein echtes Facebook-Konto. Die ersten Sätze, die mit der Mutter des Bürgermeisters, die ein erklärter Fan der Serie ist, gewechselt wurden, stammten sogar noch von ihm. Doch dann schalteten sich offenbar Kriminelle ein und lockten die ältere Dame zu einem Messenger-Dienst. In einem solchen Moment - wenn das virtuelle Gegenüber vorschlägt, auf einen Dienst wie Telegram zu wechseln - müsse man immer skeptisch werden, betont Eisenreich. Und wenn es dann um Geld gehe, müssten dann alle Alarmglocken läuten. 

Wie schwierig Identitätsdiebstahl und Fakes im Internet auch für die echten Prominenten selbst sind, betont Jefti?s Kollege Fischer, der nach eigenen Angaben immer wieder auf Fake-Profile von sich selbst stößt oder auf Lügen, Fake News, sogar gefälschte Todesanzeigen. «Es bleibt einem nichts übrig, als mit seinem eigenen Fake-Tod zu leben», sagt Fischer.

© dpa-infocom, dpa:240710-930-169931/1

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