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Gerichtsprozess zu Lügde

Der Detmolder Missbrauchsprozess

Nach jetzigem Stand wird der Prozess um die massenhaften Missbrauchsfälle von Lügde wohl Ende Juni/Anfang Juli vor dem Landgericht Detmold starten. Auf dieser Seite halten wir Euch immer auf dem Laufenden zu allen Geschehnissen, die den Prozess betreffen.

 

  1. Die Anklagen
  2. Warum plötzlich keine 1.000 Taten mehr?
  3. Was den Beschuldigten droht
  4. Parlamentarischer Untersuchungsausschuss soll kommen

Die Anklagen

Die Staatsanwaltschaft Detmold hat Anklage erhoben

Dem Landgericht Detmold liegt mittlerweile die Anklageschrift gegen zwei der drei Hauptbeschuldigten vor. Die Tatverdächtigen bekommen die Anklagen zugeschickt und können sich dann dazu äußern. Danach wird über die Zulassung der Anklagen zur Hauptverhandlung entschieden. Die Anklageschrift gegen Andreas V. (56) aus Lügde und Heiko V. (49) aus Stade umfasst 64 Seiten.

Wir haben die Anklagen für euch zusammengefasst:

 

 

Andreas V. (56)

Angeklagt wegen:

  1. Sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 293 Fällen
  2. Besitzes von Kinderpornos

Andreas V. aus Lügde soll insgesamt 22 Kinder sexuell missbraucht haben - teilweise schwer. In 226 der 293 angeklagten Fälle soll der Dauercamper zehn Kinder zum Sex gezwungen haben. In einem Fall soll er zudem zwei Kinder gezwungen haben, sich gegenseitig zu missbrauchen.

Die Taten soll er im Sommer 1998 und von Anfang 2008 bis Ende 2018 auf dem Campingplatz "Eichwald" in Lügde-Elbrinxen begangen haben.

Darüber hinaus muss sich Andreas V. auch wegen des Besitzes von Kinderpornos verantworten. Bei seiner Festnahme im Dezember 2018 soll er fast 900 entsprechende Pornos besessen haben.

 

Heiko V. (49)

Angeklagt wegen:

  1. Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in zwei Fällen
  2. Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern in einem Fall
  3. Vornahme sexueller Handlungen vor einem Kind in einem Fall
  4. Besitzes von Kinder- und Jugendpornos

Heiko V. soll mindestens vier Mal bei Webcam-Übertragungen des Dauer-Campers zugesehen haben. Teilweise soll er den Hauptverdächtigen vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert- und das Ganze kommentiert haben.

Während eines Live-Chats soll er außerdem onaniert haben – vor den Augen der anwesenden Kinder. Darüber hinaus haben die Ermittler bei der Festnahme von Heiko V. im Januar fast 43.000 Kinderpornos gefunden.

 

Der andere Hauptverdächtige aus Steinheim soll gesondert angeklagt werden. Hier geht die Staatsanwaltschaft Detmold aktuell von 100 bis 200 Fällen aus.


Warum plötzlich keine 1.000 Taten mehr?

Zur Einordnung: Die Ermittler haben selbst zu Beginn vom Verdacht des tausendfachen Missbrauchs gesprochen. Darum haben wir bei Radio Lippe das so berichtet. Es ist ganz normal, dass sie nur die Fälle anklagen, die sie konkret nachweisen können. Das hat uns der zuständige Oberstaatsanwalt Ralf Vetter gesagt.

Und sie konnten eben nicht alle Verdachtsfälle konkretisieren. Problematisch ist zum Beispiel, dass Kinder sich nicht so genau an Daten und Anzahl der Fälle erinnern können.

Was den Beschuldigten droht

Bei dem hauptverdächtigen Dauercamper aus Lügde-Elbrinxen (56) geht es um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft liegt das Strafmaß bei zwei bis maximal 15 Jahren. "Eine Strafe oberhalb von zehn Jahren Haft sei denkbar", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Detmold.

 


Parlamentarischer Untersuchungssausschuss soll kommen

Es wird wohl einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss geben

So wie es aussieht, wird der Fall Lügde demnächst auch in einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgearbeitet. Die SPD als stärkste Oppositionsfraktion im Düsseldorfer Landtag will einen entsprechenden Antrag stellen, sobald alle Anklage gegen die drei Hauptbeschuldigten zugelassen sind.

Auch Grüne und AfD hatten sich schon für einen Untersuchungsausschuss ausgesprochen. Ohne die SPD-Fraktion würden sie aber nicht die notwendige Stimmenanzahl erreichen.

Durch die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses kann das Parlament die Sachverhalte selbstständig unersuchen und prüfen, wo Missstände liegen. Der Ausschuss hat die Möglichkeiten, Akten einzusehen und Zeugen zu vernehmen.


Alle Hintergründe zum Missbrauchsfall Lügde