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Digitales Erbe
Netzklick

E-Books, E-Mails, Facebook-Konto & Co – wie läuft das digitale Erben ab?

Online-Banking-App auf einem Smartphone

Ein Erbe 2019 ist meist zwei geteilt. Denn - wir erben nicht nur den analogen Teil sprich Sachwerte jeglicher Art, das Geldvermögen, Schmuck usw. Wir werden auch zu digitalen Erben und dieser Part wächst ständig. Je vielfältiger wir digital leben, desto größer bzw. vielfältiger sieht auch der digitale Nachlass aus. Doch während das analoge Erbe meist mit einem Testament mehr oder weniger klar geregelt ist, sieht es beim digitalen Nachlass häufig deutlich weniger klar aus: Wenn nichts notiert und gelistet ist, werden wir nur mit Mühen bzw. oft auch gar nicht den Umfang des digitalen Nachlasses recherchieren können.

Ob nun der Zugang zu Accounts aller Art – E-Mails, Social Media Plattformen oder andere Online-Dienste -, ob Online-Abos von Netflix und Co. bis hin zu Informationen und Verpflichtungen bei Dating-Plattformen, ob der Zugang bzw. Zugriff zum Onlinebanking oder Fotos, Texten oder Daten, die in der Cloud gespeichert sind… Die Bandbreite des digitalen Nachlasses ist sehr groß.

Wer seine Nachfahren nicht vor die teils nur mühsam zu lösenden Aufgaben bei der Regelung des digitalen Nachlasses stellen will, sollte diesen ebenso wie das analoge Erben rechtzeitig regeln – zumal rechtlich auch noch einiges unklar ist. Dabei müssen wir im Grunde „nur“ zwei Dinge klären...

Von 1. bis...

Eine einfache, klassische Auflistung ist die Empfehlung aller Experten. In ihr sind alle unsere Accounts und abgeschlossenen Abos inklusive dem Benutzernamen und vor allem auch den Passwörtern aufgeführt. Bei Social Media-Accounts sollten wir zusätzlich noch die E-Mail-Adresse aufschreiben, mit der wir uns angemeldet haben, bei Messenger-Diensten sind Handynummer und PIN notwendig.

Über den Tod hinaus

Sobald wir eine solche Liste angelegt haben, empfiehlt es sich, für jeden Account direkt auch festzulegen, was mit ihm nach unserem Tod passieren soll. Grundsätzlich stehen vier Optionen zur Wahl: Erhalten, löschen, archivieren oder übertragen. Mit einer solchen Liste bekommt unser digitaler Nachlass direkt schon eine Form und unsere Erben können den Umfang ersehen. Eine Musterliste für den digitalen Nachlass bieten die Verbraucherzentralen auf ihrer Website an. Ein wichtiger Aspekt zur Liste: Damit sie nützlich bleibt, müssen wir sie regelmäßig pflegen und aktualisieren.

Ein Stick für die Erben

Die Liste und möglicherweise noch weitere wichtige Informationen rund um unseren digitalen Nachlass sollten wir alle auf einem USB-Stick abspeichern. Passwortgeschützt oder besser sogar verschlüsselt - immerhin enthält er alle wichtigen Angaben zu unserem digitalen Leben - gehört dieser anschließend an einen sicheren Ort wie unser Bankschließfach oder in einen Tresor.

Verwalter dringend gesucht

Zusätzlich zur Liste sollten wir eine Person zu unserem persönlichen Nachlassverwalter „im Digitalen“ ernennen. Diese Person unseres besonderen Vertrauens ermächtigen wir per offizieller Vollmacht, unseren digitalen Nachlass zu verwalten. In dieser wird aufgeführt, wie wir uns z.B. den Umgang mit unseren Social Media Accounts, mit unseren Fotos usw. vorstellen. Die Vollmacht muss unterschrieben sein, ausdrücklich über den Tod hinaus gelten und unserem Nachlassverwalter übergeben werden. Auch hier halten die Verbraucherzentralen eine Muster-Vorlage für eine entsprechende Vollmacht vor. Wichtig: Unseren Angehörigen bzw. zukünftigen Erben müssen wir sagen, wer unser digitaler Nachlassverwalter ist. Bei manchen Plattformen wie z.B. Google (Stichwort: Kontoinaktivitätsmanager) oder Facebook (Stichwort: Nachlasskontakt) können wir zudem auch schon zu Lebzeiten eine Vertrauensperson angeben.

Rechtliche Grauzonen

Tatsächlich bestehen noch einige vor allem rechtliche Fragen rund um unseren digitalen Nachlass: So fehlen beispielsweise beim Online-Banking einheitliche Regeln, welche Rechte und Zugriffe die Erben haben. Hier hilft nur der Blick in die Geschäftsbedingungen. Ebenfalls unklar ist die Lage bei E-Books und Videos. Wir haben sie zwar online gekauft, aber die Nutzungserlaubnis erlischt häufig mit unserem Tod. Ebenfalls beachtenswert - weil uneinheitlich geregelt - sind die Regeln für Online-Abos. Die Verträge gehen auf die Erben über, meist (aber eben auch nicht immer) besteht aber die Option der Kündigung im Todesfall. Ein Forschungsprojekt der Universitäten Bremen und Regensburg beschäftigt sich aktuell mit diesen und weiteren Fragen. Sobald die Forschungen beendet sind, sollen sie auch in Form einer Informationsbroschüre veröffentlicht werden.   


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