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Netzklick

FaceApp – Spionagegrüße aus St. Petersburg?

„Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen, ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyberangriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist,“ so schreibt es der US-Demokrat Chuck Schumer in einem auf Twitter veröffentlichten Brief und fordert, dass das FBI einschreiten müsse.

Und der deutsche Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber warnt in einem Radio-Interview: „In der Tat gibt es hier Besorgnis, dass wichtige persönliche Daten in die falschen Hände geraten könnten.“ Diese harschen Worte beziehen sich alle auf eine App, die gerade eine der beliebtesten, aber auch wohl eine der umstrittensten Apps im Google Play Store und im Apple Store ist – FaceApp.

Doch ungeachtet manch offener Fragen finden sich gerade von Prominenten unter dem Hashtag #faceapp schon zahllose FaceApp-Bilder in den sozialen Netzwerken – meist mit gealterten Gesichtern. Siehe zum Beispiel Mario Barth:

Also ist die App gar nicht so „gefährlich“, wie funktioniert FaceApp überhaupt und was darf die App wirklich mit unseren Fotos machen. Wir haben nachgeschaut...

Altern und oder lächeln in wenigen Sekunden

Die App FaceApp ist sicherlich zu einem großen Teil so erfolgreich, weil sie „kinderleicht“ zu nutzen ist. Wir müssen sie einfach nur laden, ein Bild aussuchen und schon können wir loslegen.

Dabei haben wir bei der Auswahl die Qual der Wahl – entweder können wir das Foto eines Prominenten verändern, die App bietet dazu eine große Auswahl - von AKK bis Emma Watson -, warnt aber auch direkt, dass Bilder von Prominenten urheberrechtlich geschützt sein könnten. Oder wir verändern ein Selfie von uns; das kann ein spontan mit unserem Smartphone geschossenes Foto sein oder eines aus unserem Archiv.

Dafür müssen wir der App aber den Zugang zu unseren Fotos gewähren. Anschließend können wir schon munter verfremden – ein Lächeln, das Alter, eine andere Haarfarbe oder ein Bart. Die Veränderungs-Optionen sind mannigfaltig, alles klappt mit wenigen Klicks und das Ergebnis sehen wir sekundenschnell.

Altern kostet nichts, MakeUp schon

FaceApp ist kostenlos, aber viele der angebotenen Veränderungen können wir nur mit der Pro-Version nutzen. So ist z.B. bei der Haarfarbe nur die schwarze Haarpracht kostenlos und die unterschiedlichen Makeup-Versionen gibt es generell nur in der Pro-Version. Die kostet rund 4 Euro im Monat, 20 Euro im Jahr oder 40 Euro ein Leben lang. Achtung – die Abos verlängern sich automatisch, wenn wir nicht kündigen.

Russischer Ursprung

FaceApp kommt aus Russland, genauer aus St. Petersburg. Über die Entwickler-Firma Wireless Lab selbst ist wenig bekannt, sie besitzt keine eigene Homepage und in den Nutzungsbedingungen findet sich lediglich eine russische Adresse und eine Telefonnummer. Vorstandsvorsitzender ist Yaroslav Goncharov, der u.a auch drei Jahre in den USA bei Microsoft als technischer Leiter arbeitete. Später war er Mitbegründer einer Softwarefirma, die 2011 von Yandex, eine Art russisches Google, übernommen wurde.

Unsere Bilder auf US-Servern

Ein großer allgemeiner Kritikpunkt an FaceApp – unsere Bilder würden nach Russland exportiert und die App lädt komplette Bildergalerien von uns auf ihre Server. Dem widersprechen mehrere Experten: So schreibt Jan Manchum Wong, eine Expertin für Sicherheit von Apps, in einem Tweet, dass unsere Bilder auf Servern von Amazon in den USA landen. Yaroslav Goncharov erläutert in einem Interview, dass dieser Vorgang nötig sei, um bei der Nutzung mehrerer Filter Traffic auf unseren Smartphone zu sparen. Dabei versichert er auch gleich, dass die Bilder innerhalb von 48 Stunden gelöscht würden. Und der Sicherheitsforscher Will Strafach verneint – ebenfalls bei Twitter -, dass FaceApp ganze Galerien hoch lade. Die App würde nur die einzelnen, von uns ausgesuchten und bestätigten Fotos für die Bearbeitung auf den US-Servern nutzen.

Alle Bildrechte aus der Hand

„Sie gewähren FaceApp eine unbefristete, unwiderrufliche, nicht ausschließliche, lizenzgebührenfreie, weltweite, voll bezahlte, übertragbare Unterlizenz zur Nutzung (...) ohne dass Sie dafür eine Entschädigung erhalten,“ so zitiert die private Initiative gegen Internetmissbrauch „Mimikama“ in einem Faktencheck aus den Nutzungsbedingungen.

Sie seien damit zum einen nicht DSGVO-konform und zum anderen bedeuten diese Richtlinien, dass FaceApp im Grunde mit unseren Bildern machen kann, was sie will: Sie kann sie für die eigene Werbung nutzen, an Dritte weitergeben oder auch selbst veröffentlichen.

Doch im gleichen Zuge schreiben die Mimikama-Experten, dass diese Vergabe von Bildrechten auch ähnlich bei Facebook oder Twitter zu finden seien. In einem Statement von FaceApp zu den Vorwürfen heißt es u.a., Nutzer könnten ihre Daten individuell löschen lassen (aktuell sei das Support-Team allerdings überlastet) und FaceApp würde keine Benutzerdaten nach Russland übertragen. 

Letztendlich müssen wir also – wie so oft im Internet – selbst entscheiden: Gehen uns die erforderlichen Nutzungsrechte zu weit und wir verlieren darüber den Spaß an dieser App oder stehen für uns gerade der Spaß und die Möglichkeiten einer hoch entwickelten App im Vordergrund?

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Eine Person die eine Computertastertur mit Maus bedient

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