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Nico-Laurin Schmidt
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WhatsApp-smartphone
Wirbel um Whatsapp

Neue Datenschutzregeln bei Whatsapp

Handydisplay mit App Whatsapp

18. Januar 2021

  • Der Messenger-Dienst WhatsApp hat die Zustimmung zu neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien auf den 8. Februar befristet. 

  • Viele Nutzer waren verunsichert, hatten protestiert und/oder den Messenger verlassen. 

  • WhatsApp spricht von falschen Informationen, die verbreitet wurden. Die neue Zustimmungs-Deadline wurde auf den 15. Mai verschoben. 
     

Änderungen für uns

Im Kern geht es in den neuen WhatsApp-Richtlinien vor allem um den Datenaustausch von WhatsApp mit Facebook. Für uns in Deutschland bzw. in der europäischen Region ändert sich dabei wenig. Denn tatsächlich existieren zwei unterschiedliche Versionen der neuen Datenschutzrichtlinien – eine für uns in Europa und eine für den „Rest der Welt“. Für die außereuropäischen Regionen sind die Veränderungen größer, denn dort wird u.a. eine wichtige Entscheidungsmöglichkeit gestoppt: Nutzer können nach Inkrafttreten der neuen Bestimmungen nicht mehr dagegen stimmen, dass WhatsApp-Nutzer-Daten an Facebook zu Werbezwecken weitergeleitet werden. In Europa ist das bislang noch anders, auch wenn es in den Nutzungsbedingungen von 2018 heißt: „Als Teil der Facebook-Unternehmen erhält WhatsApp Informationen von diesen und teilt auch Informationen mit diesen.“ Allerdings dürfen die WhatsApp-Daten ausdrücklich – so bestätigte es unlängst ein WhatsApp-Sprecher gegenüber dem Spiegel – nicht mit Facebook geteilt werden, um die Werbung bei Facebook zu verbessern.  

WhatsApp hatte einen Plan 

Ein Pop-Up brachte den WhatsApp-Ärger ins Rutschen. Überraschend kündigte die Facebook-Tochter darin an, dass die Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien aktualisiert würden. Am 8. Februar – so der ursprüngliche Plan – sollten die neuen Nutzungsbedingungen in Kraft treten, Nutzer*innen müssten bis dahin ihre Zustimmung geben. Im WhatsApp-Blog wurden die Hintergründe erläutert, die klare Aussage dabei: Wer die Zustimmung nicht erteilt, kann WhatsApp nicht weiter nutzen. Viele werden daraufhin - sicher ohne mit der Wimper zu zucken - zugestimmt haben, immerhin drohte der Verlust des meist genutzten Messengers: Rund 70% der Deutschen nutzt WhatsApp täglich! Aber schnell gab es auch eine Gegenbewegung. 

„Löscht WhatsApp! Jetzt!“ 

Diese Aufforderung postete Jan Böhmermann am 15. Januar auf Twitter und empfahl darüber hinaus: „Installiert und nutzt Signal! Jetzt!“ Und wenig später „Oder für noch mehr Privatsphäre: Threema. Aber: Weg mit WhatsApp!“. Auch wenn WhatsApp die Aufforderung eines deutschen TV-Moderators sicherlich wenig berührt, zeigt seine Aufforderung eine Tendenz. Die immer schwelende Kritik an den weiter unklaren Nutzungsbedingungen des Messengers poppte wieder auf und viele Nutzer haben WhatsApp nach diesem Pop-Up verlassen. Verschiedenen Medienberichten zufolge sanken die Downloadzahlen von WhatsApp um 14%. Schlimmer noch, die Konkurrenten verzeichneten massive Zuwächse: Bei Signal stieg die Downloadzahl um das 18-fache, auch bei Threema vervielfachte sich der Zulauf nach eigenen Angaben und die App stieg in Deutschland, der Schweiz und Österreich auf Platz 1 in den App-Charts der Bezahl-Apps. Und auch Telegram verzeichnete eine Verdopplung der Downloadzahlen.

WhatsApp rudert zurück 

„Wir haben von zahlreichen Leuten gehört, dass unsere letzten Aktualisierungen viel Verwirrung hervorgerufen haben. Eine Menge Fehlinformationen befinden sich in Umlauf, die Bedenken verursachen,“ so reagierte WhatsApp am Wochenende auf den Wirbel und die Folgen um die neuen Nutzungsbedingungen im eigenen Blog. Gleichzeitig versprach das Unternehmen, besser und transparenter über Datenschutz und Daten-Sicherheit zu informieren. Die Deadline für die Zustimmung zu den neuen Richtlinien wurde auf den 15. Mai verlegt. Allerdings ist offen, ob die Zustimmung bis dahin verpflichtend sein wird oder ob WhatsApp auch ohne Zustimmung nach Mai weiter genutzt werden kann.

Wechseln? 

Die Verwirrung um WhatsApp hat die Wechselstimmung zu anderen Messengerdiensten vielerorts angeheizt. Parallel haben sich Prominente wie Elon Musk, Edward Snwoden oder eben auch Jan Böhmermann öffentlich schon für Signal entschieden. Doch das Problem ist immer das Gleiche: Wer will schon mit einem Messenger arbeiten, auf dem Verwandte, Freunde und Bekannte aus Vereinen etc. gar nicht aktiv sind. Möglicherweise ändern sich die bisherigen Mehrheitsverhältnisse bei den Messengerdiensten aber jetzt im Rahmen der neuen Verwirrungen. Wer dann eine Übersicht der unterschiedlichen Messenger und ihrer Datenschutzbestimmungen sucht, der wird bei der Verbraucherzentrale fündig. Die haben Threema, Signal und Co. untersucht, miteinander verglichen und liefern gleichzeitig auch direkt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur erfolgreichen WhatsApp-Kündigung mit.  


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