Responsive image

on air: 

Lars Niermann
---
---
Streaming-Review: Black Widow (Quelle: Film Frame)
Film [Marvel-Universum, Action]

Black Widow

Disney+
Marvel-Universum, Action

Lange genug musste sie warten - immerhin ist Black Widow, alias Natascha Romanov, schon praktisch seit der ersten Sekunde des Marvel Cinematic Universe mit dabei. Nach ihrem ersten Auftritt in Iron Man 2 wurde sie zur weiblichen Hauptprotagonistin der Avengers und erst kürzlich, im bombastischen Finale Avengers: Endgame, machte ihre Rolle Platz für die mittlerweile zahlreich vertretenen NachfolgerInnen. Das sind immerhin sage und schreibe elf Jahre Karriere in den Kinosälen.

Einen eigenen Film hatte die schwarze Witwe bisher allerdings nicht, obwohl Fans sich schon von Anfang an genau das wünschten. Und nun, nach zahlreichen pandemiebedingten Verschiebungen der Kino-Premiere, erscheint die Heldin endlich auf der großen Leinwand und bestreitet ihr zweistündiges Solo-Abenteuer. Warum der Film eher gemischte Gefühle auslöst, lest Ihr im Streaming Review.

Quelle: Disney+

Zu viel Vorfreude...? 

Es sind ungewohnt einnehmende Bilder, die den 24. Film der Marvel-Reihe eröffnen. Anstelle des erwarteten Action-Feuerwerks begrüßt uns das packende Portrait einer Familie, das mehr einem Polit-Thriller ähnelt als einer Action-Komödie. Man kann von den Produktionen des MCU halten was man will, aber eines kann ihnen wohl jeder zugestehen: egal wie generisch die Story-Formel erscheinen mag, jeder Film findet irgendwo eine eigene Note in dem Superhelden-Konzept.

Die erste viertel Stunde von Black Widow lässt genau das hoffen: “Das hier könnte etwas Neues werden”, das scheint jede Szene zu flüstern. “Das hier könnte dich packen. Das hier könnte ein intensives Drama über die emotionale Reise einer jungen Frau werden.” 

Leider bleibt es nicht dabei. Wo die erste Sequenz des Filmes noch Ideenreichtum, Fingerspitzengefühl und ergreifende Emotionalität beweist, driftet der Mittelpart der Erzählung leider leicht ins Banale ab. Hier erwartet uns die übliche, bewährte Marvel-Mischung: beeindruckende Effekte, toll choreographierte Action und flotte Gags. Langweilig wird einem beim Zusehen sicher nicht. Allerdings erfinden die Marvel Studios damit auch nicht unbedingt das Rad neu. 

Quelle: Disney+

Von Frauenpower und Freedom for All

Was allerdings neu ist: Die Besetzung. Black Widow setzt auf einen fast ausschließlich weiblichen Cast, und der funktioniert fantastisch. Anstatt wie Captain Marvel mit eher nervigem Pathos daherzukommen, baut die Handlung eine einnehmende Chemie zwischen den Charakteren auf. Nicht nur Natascha selbst kann überzeugen, die sich in den letzten Jahren immer wieder als charismatische, coole Hauptprotagonistin bewiesen hat. Auch die neuen Charaktere bringen frischen Wind. Die Kampfszenen der Schauspielerinnen sind toll choreographiert und verzichten auf plastische Eleganz. Stattdessen geht es auch mal richtig zur Sache. All das natürlich vor der imaginär gehissten Amerika-Flagge: schließlich schreit die Thematik des kalten Krieges ja förmlich nach einem patriotischen Appell. 

Black Widow zeugt von Inspiration und großen Ambitionen. Aber am Ende verlässt einen das Gefühl nicht, dass ein Großteil der kreativen Vision von Regisseurin Cate Shortland unter die Räder der Disney-Studioproduktion gekommen ist. Im Endeffekt ist Black Widow zwar definitiv einer der besseren Marvel Filme, aber wirklich absetzen kann er sich von der Masse nicht. Einen Kinogang ist er auf jeden Fall wert, aber um die stolzen 21€ in den Stream auf der heimischen Couch zu investieren, muss man schon ein Vollblut-Fan sein.

Fazit:  3/5 Antworten auf das, "was in Budapest passiert ist". Ein guter Marvel Film, der Fans sicherlich nicht enttäuscht - aber man spürt, das hier mehr drin gewesen wäre.