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Lars Niermann
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Film [Thriller, Drama]

I'm Thinking of Ending Things

I'm Thinking of Ending Things (2020)
Netflix

Thriller, Drama, Experimentell

I’m Thinking of Ending Things - Ein Film, von dem ich immer vergesse, dass ich ihn gesehen habe, bis irgendwo ein Bild oder der Titel auftaucht und er mir wie ein rotes Warnsignal zurück ins Gedächtnis springt: “Ach ja. Oh Gott.”

Hinter der Netflix-Produktion steht Charlie Kaufman, ein Regisseur, den ich vor allem mit einem meiner Lieblingsfilme in Verbindung bringe: Vergiss mein nicht (og. Eternal Sunshine of the Spotless Mind, Jim Carrey, Kate Winslet). Kaufman ist vor allem für seine lebensnahen, intensiven Dialoge bekannt, für schmerzhafte Wahrheiten über das Leben und skurril anmutendes, beinahe wirres Storytelling - und bei I’m thinking of Ending Things ist vor allem letzteres spürbar.

Thriller, Philosophie, Expressionismus - all das in Einem? 

Jedes Wort, das sich mit der tatsächlichen Handlung des Films beschäftigt, wäre wohl schon ein Spoiler, deswegen sei hier nur soviel gesagt: wir folgen einer jungen Frau (Jessie Buckley) und ihrem Freund (Jesse Plemons) bei einem Besuch bei ihren Schwiegereltern (Toni Collete, David Thewlis). Und das ist eigentlich schon alles, was sich von der Handlung wirklich erklären lässt: von einer gruseligen, nervenzerreißenden Atmosphäre wandelt der Film sich immer mehr zu einer verwirrenden Achterbahnfahrt aus Metaphern, wirren Impressionen und immer seltsameren Bildern. Im Internet kursieren so viele Meinungen wie Interpretationen über das, was sich während und nach dem Besuch abspielt: eine eindeutige Antwort gibt der Film uns jedoch nicht. Stattdessen lässt er einen mehr als eindeutig mit der Frage zurück, ob man vielleicht einfach selbst das Problem ist: "...bin ich vielleicht einfach zu blöd, um das hier zu verstehen?"

Eine “düstere Mischung aus Bedauern, Sehnsucht und Verletzlichkeit des menschlichen Geistes” will Kaufman erzählen - doch das gelingt leider nur in Teilen. Auch wenn man immer wieder von der skurrilen Szenerie eingefangen wird, so fällt es am Ende doch schwer, zwischen all den Metaphern und Gleichnissen den wirklichen Sinn der Story zu ziehen: und vielleicht ist das ja auch schon wieder eine Metapher über das Leben.

Wer Lust auf eine wirklich abgefahrene, intensive Film-Erfahrung hat, und wer kein Problem damit hat, am Ende ein wenig ratlos auf dem Sofa zurück gelassen zu werden, der wird mit I’m Thinking of Ending Things sicherlich keinen schlechten Abend haben.

Fazit: 3/5 Tulsey Town Eiscreme-Becher 

Zwischenzeitlich beinahe hypnotisch skurril - vielleicht am Ende des Tages einfach ein bisschen zu viel gewollt.