Responsive image

on air: 

Lars Niermann
---
---
fernbedienung (7)
Film [Thriller, Drama, Superhelden-Universum]

JOKER

Fernbedienungen

Netflix
Thriller, Drama, Superhelden-Universum

Eine ganze Weile waren die riesigen, weißen Buchstaben überall: auf Filmplakaten, in Zeitschriften, in diversen Internet-Foren. Kaum ein Film aus dem DC/Marvel Kosmos hat so eine Kontroverse angestoßen, wie JOKER. Und auch jetzt, zwei Jahre später, hat der Film es binnen weniger Tage in die Netflix Top 10 Liste geschafft. Was so anders an dem vermeintlichen Superhelden-Film ist und ob das den Hype rechtfertigt, lest ihr diese Woche im Streaming Review. 

Ein Publikums-Liebling im Rampenlicht

Joker. Der ikonische Terror-Clown der Batman bereits seit Anbeginn seiner Karriere das Leben in Gotham schwer macht, erfreut sich bei Fans wohl beinahe größerer Beliebtheit, als sein fledermäusiger Gegenspieler. Und das wussten wohl auch Todd Phillips und die DC Studios als sie 2018 eine eigene Origin-Story für den Superschurken verfilmten.

Schon von vornherein hob sich JOKER von seinen Genre-Geschwistern ab, zeigte sich gewissermaßen als das schwarze Schaf der Familie. Nicht nur, dass kein glänzender, perfekter Superheld im Fokus der Handlung steht, sondern die Geschichte sich einzig und allein um den von der Gesellschaft abgewiesenen Arthur Fleck dreht. Alle Zuschauer wissen, wer am Ende dieser Geschichte stehen wird: ein Bösewicht, ein gewissenloser Superschurke, der in der Vergangenheit bereits von Größen wie Heath Ledger oder Jack Nicholson verkörpert wurde.

Alles wird anders, dieses Mal

Dramatische Musik. Düstere Szenen, die Gänsehaut hervorrufen. Dem Trailer für JOKER würde ich ohne weiteres den Titel verleihen, mit dem viele Kritiker auch den Film krönen: ein cineastisches Meisterwerk. Mein persönlicher Kinobesuch war gezeichnet von großen Erwartungen und enormer Vorfreude: und vielleicht liegt genau da meine Enttäuschung. 

Das Superhelden-Genre erfreut sich in Vergangenheit nicht unbedingt eines künstlerisch wertvollen Rufs. Vorwürfe der Ideenlosigkeit und Massenabfertigung werden nicht zuletzt durch Äußerungen wie die von Martin Scorsese verstärkt: “Marvel Movies aren’t cinema”, Marvel Filme seien laut ihm kein echtes Kino. 

Zwar haben wir mit DC einen Konkurrenten Marvels, das Genre ist jedoch weitestgehend das Gleiche. Der Unterschied: JOKER ist ein psychologisches Drama, das intensiv und düster erzählt wird, anstatt auf bombastische Action-Effekte und Comedy zu setzen wie seine Mitstreiter.

Ist das jetzt aber wirklich so bahnbrechend, wie alle sagen?

Meiner Meinung nach: nicht wirklich...

Joaquin Phoenix, der für seine Rolle auch den Oscar als Bester Hauptdarsteller abräumen konnte, macht ohne Frage einen atemberaubenden Job. Seine Performance ist berührend, schockierend und fesselnd. Denkt man sich seine Leistungs allerdings weg, bleibt von dem Film nicht viel mehr übrig als ein durchschnittlich bis flaches Drehbuch, ein beizeiten ziemlich schräbbeliger Geigen-Soundtrack und wenig Überraschungen. Wenn man den Trailer gesehen hat, kennt man den grundlegenden Inhalt des Filmes im Grunde auch schon.

Ob das jetzt außergewöhnlich ist, nur, weil man von dem Genre anderes gewöhnt ist? Ich weiß ja nicht.

JOKER ist ein Film, der weder schlecht, noch übertrieben gut ist. Ich tue mich etwas schwer damit, auf der Welle des Hypes mitzureiten, aber: einen Abend wert ist Joaquin Phoenix’ Schauspielkunst in jedem Fall. Auch, wenn sich das Rewatch-Potential in Grenzen hält.

Fazit: 3/5 Clownstränen. Ein klassischer “nicht schlecht, nicht fantastisch”-Film: der Trailer und Joaquin Phoenix’ Schauspiel bleiben ein Meisterwerk, der Rest eher mau.