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Lars Niermann
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Film [Drama, Action, Komödie]

Once Upon A Time...in Hollywood

Mann schaut Netflix / Streaming-Review

Netflix
Drama, Action, Komödie

Tarantino steht im Filmgeschäft mittlerweile für eine ganz bestimmte Art von Film: Action, Splatter, abstruse Dialoge und stilvolle Bilder. Und damit nicht genug. Der Hollywood-Regisseur verkündete zu Anfang seiner Karriere mit voller Überzeugung, dass er nicht mehr als zehn eigene Filme herausbringen möchte. Dieses selbst gesetzte Limit verleiht jedem neuen Tarantino-Streifen natürlich ein noch größere Erwartungshaltung. Schließlich tickt die Uhr im Hinterkopf!

Ein Märchen in Hollywood

Once Upon A Time... in Hollywood hat es somit natürlich direkt auf Platz 1 der Netflix-Charts geschafft, und das zwei Jahre nach Kino-Release. Zur Premiere hatte der Film allerdings eher mit gemischten Kritiken zu kämpfen. Es ist schwierig, dies zu erklären, ohne zu viel zu spoilen. Aber wagen wir uns mal an die Aufgabe.

Von langsamen Pacing und Seh-Gewohnheiten

Wer mit denselben Erwartungen an Once Upton A Time... in Hollywood herantritt wie an frühere Werke - etwa Pulp Fiction, Inglourious Basterds oder Reservoir Dogs - der wird sicherlich überrascht. Brad Pitt und Leonardo DiCaprio sind zwar eine einmalige, hochkarätige Kombination in Sachen Hauptdarsteller, aber sie verkörpern auf der Leinwand etwas Anderes, als erwartet. Tarantino verfilmt eine liebevolle Hommage an das Hollywood der 60er Jahre und bagründet sie auf dem fiktionalen Western-Darsteller Rick Dalton und seinem Leibwächter Cliff Booth. Vor allem letzterer, verkörpert von Pitt, überzeugt auf ganzer Linie. Auch, wenn die Erzählung zunächst (gewollt) vor sich hin plätschert, macht es Spaß, den Charakteren durch die Welt aus Stars, Sternchen und staubigen Kulissen zu folgen. 

Der Knall-Effekt kommt, wenn man nicht mehr damit rechnet

Die Geschichte basiert, ähnlich wie Inglourious Basterds, auf historischen Begebenheiten. Diesmal auf dem brutalen Mord an Hollywood-Schauspielerin Sharon Tate durch Angehörige der Manson-Familie. Tate wird hier von Margot Robbie gespielt und ist die Nachbarin des Hauptcharakters - natürlich liegt mit ihrem ersten Auftritt Spannung in der Luft. Und doch führt der Film in eine andere Richtung, als erwartet... mehr sei hier aber nicht verraten.

Funktioniert das Ganze? (Achtung, Spoiler!)

!!! Wer den Film noch nicht gesehen hat und ihn lieber unvoreingenommen genießen will, sollte hier aufhören, zu lesen. Also seid gewarnt - ihr begebt euch auf Spoiler-Gebiet !!!

Im Grunde bedient sich Tarantino mit seiner Erzählung derselben Strategie wie in Inglourious Basterds. Er malt sich seine eigene Version der Realität, nur, dass dieses Mal nicht Hitler stirbt, sondern Sharon Tate wohlbehalten überlebt. Und die Action-Sequenz, in der es den Angehörigen des Manson-Clans an den Kragen geht, hat sich wirklich gewaschen. Beinahe zwei Stunden wirkt die Welt zu schön, zu unspektakulär, um wahr zu sein - und ganz am Ende, wenn man die Hoffnung beinahe aufgegeben hat, kommt Tarantino doppelt und dreifach um die Ecke. Brutalität, abstruser Humor, Kampf-Einlagen. Es lohnt sich! Und in diesem Moment macht der Film dann auch endlich Sinn. Vorher weiß man überhaupt nicht, wo die Geschichte hin will und nur deswegen funktioniert die Schlüsselszene am Ende so gut. Die Frage ist, ob das Erlebnis beim zweiten Mal auch noch funktioniert, wenn man schon weiß, worauf die Dinge hinauslaufen. Netflix gibt nun die Möglichkeit, es herauszufinden. Also greift euch eine Tüte Popcorn und macht es euch gemütlich!

Fazit:  3,5/5 seltsamen Fuß-Nahaufnahmen. "Once Upon A Time... in Hollywood" ist ein Film mit Twist - aber ob der funktioniert, muss jeder selbst entscheiden.