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Stephan Kaiser
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Serie [Krimi, Thriller, Rewatch]

Fargo

Amazon Prime Video, Netflix
Krimi, Thriller, Rewatch

Prequel, Sequel, Spin-Off, Franchise - Mal ganz ehrlich... wer schaut da noch durch?

Wenn man die animierte Spin Off-Serie einer Marvel-Serie schaut, die das Franchise um ein Multiverse erweitert und gleichzeitig ein Prequel für einige der über 20 Filme darstellt... Wenn man The Mandalorian guckt und sich parallel in Diskussionen verwickelt, wann und wo zwischen Original-Serie, Prequels und Sequels sich das Ganze nun nochmal abspielt... Selbst, wenn man im Kino sitzt, einen Film sieht und am Ende realisiert, dass sich hier noch eine ganze Trilogie anbahnt... dann ertappt man sich immer wieder ertappt dabei, wie man in Storylines, Verbindungen und Vermarktung ertrinkt. Und dann denkt man meist nur noch: Och nö. Genau deswegen weiß man einen guten, in sich abgeschlossenen Einteiler plötzlich wieder sehr zu schätzen.

Anfang, Mitte, Ende - das war's!

Die Serie, um die es heute geht, scheint auf den ersten Blick auch ganz gut in den Wahnsinn aus Fortsetzungen und Spin-Offs zu passen. Fargo ist nicht neu - im Gegenteil. Ursprünglich handelte es sich um einen Film der Coen Brothers, der bereits 1996 veröffentlicht wurde. Der Namensgeber von Film und Serie ist eine kleine, einsame Stadt im kalten Norden Amerikas. Und um die dreht sich auch alles in Staffel 2 und 3. ...also doch ein Franchise?

Nicht wirklich. Denn egal, ob man den Original-Film gesehen hat, ob man Interesse an Staffel 2 und 3 hat, oder überhaupt irgendetwas über die Serie weiß - Staffel 1 funktioniert wunderbar allein, endet in sich abgeschlossen und lässt dabei keinen Wunsch auf Fortsetzung oder Hintergrundinformation offen.

Eiskalt ist nicht nur der Winter...

...in Fargo. Bereits der Vorspann verrät, worauf wir uns einstellen sollen: endlose, weiße Ebenen. Der Atem steigt in Dampfwolken in die Luft. Man kennt sich in der amerikanischen Kleinstadt, aber man spricht nicht viel. Die Menschen sind so einsam wie die Eiswüste, in der sie leben. Und tief in sich trägt jeder der Charaktere eine düstere Seite, die früher oder später zum Vorschein kommt, spätestens aber, als ein ruchloser Auftragskiller in die Stadt kommt und eine Reihe von Ereignissen lostritt. Zwischen Frost, Blut und intensiven Dialogen befällt einen sofort die beklemmende Stimmung einer einsamen Eislandschaft - und schon rutscht man hinein, in die tiefe Faszination, die der Absturz von Fargo's Hauptprotagonisten mit sich bringt.

Eine Serie ohne Bösewicht

Ein psychopathischer Serienkiller, ein erfolgloser Versicherungsvertreter oder der taubstumme Handlanger eines Verbrecher-Syndikats - jede dieser Figuren könnte der Antagonist sein und dennoch tanzen sie alle auf der feinen Linie zwischen Sympathie und Abscheulichkeit. Man gruselt sich mit dem sympathischen Ermittler-Duo der Serie, denn überall lauern mehr Verstrickungen und düstere Abgründe, während sich die Ereignisse um zwei scheinbar zusammenhangslose Morde in Fargo immer mehr verstricken. Der Soundtrack, die Bilder, die Protagonisten: all das fühlt sich an wie ein tiefer Winter. Anders als skandinavische Thriller drückt dieser jedoch nicht die Stimmung. Viel mehr fesselt Fargo seine Zuschauer von der ersten Minute und scheut dabei auch nicht vor roher Gewalt und schockierenden Action-Szenen zurück. Das Lachen wird zwar mit jeder Folge fassungsloser, am Ende führt die Serie seine Zuschauer jedoch zielsicher in sein Finale und beendet die verstrickte Schauergeschichte um die Kleinstadt mit einem befriedigenden, kühlen Ende. No questions left - keine Fortsetzungen erwünscht. Staffel 2 und 3 spielen zwar auch in Fargo, haben jedoch nichts mit der ersten Staffel zu tun.

Rewatch-Potential zu jeder Jahreszeit

Egal, ob man sich im Sommer in kältere Gefilde träumen will, oder sich im Winter extra tief einkuscheln möchte - die erste Staffel Fargo gehört bei mir jedes Jahr fest in den Rewatch-Kalender. Und die anderen beiden Staffeln? Das weiß ich nicht, denn dafür bin ich jedes Mal viel zu zufrieden damit, eine einzelne, abgeschlossene, spannende Staffel gesehen zu haben.

Fazit:  Absolute Binge-Empfehlung für die erste Staffel. Wer Fargo bisher noch nicht gesehen hat, kann sich damit jetzt gut über den verregneten Sommer trösten - denn danach wirkt es draußen plötzlich wieder ganz warm.