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Lars Niermann
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Serie [Coming of Age, Comedy, Drama]

How to Sell Drugs Online (Fast)

Streaming-Review - Szene aus "How to Sell Drugs Online (Fast)"

Review zu Staffel 3 (6 Episoden)

Netflix

Coming of Age, Comedy, Drama

So, wie sich die dritte Staffel der deutschen BTF-Produktion anfühlt, könnte es sich bei der dritten Staffel von How to Sell Drugs Online (Fast) tatsächlich um den finalen Teil einer Herr der Ringe würdigen Trilogie handeln. Nach einem vielversprechenden Auftakt in Staffel 1 und einer unterhaltsamen Fortsetzung durch Staffel 2 (siehe unten), setzt Staffel 3 der Serie eine narrative Krone auf. Warum die dritte vielleicht die stärkste der drei Staffeln ist, lest ihr hier!

The Best of Both Worlds

Zum dritten Mal verfolgen wir Moritz Zimmermann dabei, wie er ein Online Drogen-Imperium aus seinem Kinderzimmer in Rinseln führt. Und dabei erwartet uns alles, was in den ersten Staffeln stark war: pointierte Gags, schnittige Dialoge und eine fesselnde Erzählung. Die narrative Vielfalt aus Staffel 1 wird wunderbar mit dem Witz und Humor der 2. Staffel kombiniert und formt ein Finale, das sich gewaschen hat. Nicht nur, dass uns die Serie stylische Bilder und lebensechte Charaktere liefert: sie ist auch unheimlich spannend. Dank eines erzählerischen Twists wissen wir zwar bereits seit Beginn der Serie, wo Moritz’ Reise endet, ihn dabei zu begleiten ist deswegen aber nicht langweilig. Gefangen zwischen Abi-Stress und Drogenkrieg weiß man selbst manchmal nicht mehr, was eigentlich schlimmer ist: die anhaltende emotionale Verwirrung um die erste Liebe, oder das holländische Drogen-Syndikat, das erschreckend deutlich macht, wie sehr Moritz sich mit seinen Geschäften verzockt hat.

Streaming-review: Szene aus "How to Sell Drugs Online (fast)"
Netflix Original Series

Neue und alte Gesichter

Wer sich ein wenig in der BTF-Bubble auskennt, wird alleine schon großen Spaß an den Gastauftritten haben. Neben Cameos von Katjana Gerz und Etienne Garde (bekannt von RocketbeansTV und aus dem Neo Magazin Royale) sehen wir auch Florentin Will erstmals auf der “großen Leinwand”. Und er macht einen fantastischen Job als gereizter Ermittler, der seinen planlosen Boomer-Kollegen gegenüber steht. Der restliche Cast kann genauso gut überzeugen, wie in den vorherigen Staffeln. Alle Protagonisten fügen sich in die Geschehnisse ein und bleiben spannend zu verfolgen - der todkranke Lenny, CEO in spe Moritz und auch Fritzi, die sich in dieser Staffel in einer gefährlichen Abwärtsspirale verfängt. Einzig Ranger Joseph sticht hier ein wenig heraus und lässt die Zuschauer etwas ratlos zurück, was genau nun seine Rolle war. Aber es kann ja auch nicht alles perfekt sein.

Ein Portrait von Generation Z: Memes, TikTok, OnlyFans

Irgendwo in der Lücke zwischen Generation Z und Y sehe ich oft genug Produktionen, die daran scheitern, ein realistisches Bild der “Jugend von heute” zu malen. How to Sell Drugs Online (Fast) gelingt dies aber mal wieder wunderbar. Vor allem die TikTok-Karriere von Moritz’ kleiner Schwester ist wunderbar eingefangen - absurd, aber nie von oben herab. Es kann immerhin nicht jeder direkt als Drug Lord im Internet durchstarten.

Streaming-Review: Szene aus "How to Sell Drugs Online (Fast)"
Netflix Original Series

Ende in Sicht?

Ein Teil von mir hofft beinahe, dass Staffel 3 der letzte Teil der Serie ist, denn viel schöner könnte der Vorhang sich gar nicht schließen. Die BTF liefert uns einen perfekten Abschluss, mit befriedigenden Lösungen für alle Charaktere und einer glaubwürdigen Konfliktlösung. Ob Netflix sich dennoch für eine vierte Staffel entscheidet, bleibt offen. Ich wäre zufrieden mit dem, was wir haben. Vielleicht könnte der jährliche Herr der Ringe-Marathon dann nämlich um einen How to Sell Drugs Online (Fast)-Marathon ergänzt werden. 9 Stunden epische Heldenreise - nur eben von Rinseln nach Rotterdam anstatt von Hobbingen nach Mordor.

Fazit: Absolute Binge-Empfehlung. Die dritte Staffel schließt die Geschichte mit einem glanzvollen Auftritt. 


Review zu Staffel 1 & 2 (je 6 Folgen)

Coming of Age, Comedy, Drama 

Rinseln. Die fiktive deutsche Kleinstadt hat alles, was es braucht, um im Bilderbuch zu stehen: Reihenhaussiedlungen, Großfamilien und Land-Idylle. Oder, wie der Hauptcharakter der Serie es beschreibt: Gymnasium, Gartenschlauch, Laubbläser. Schräg, dass ausgerechnet diese Szenerie zum Schauplatz einer Breaking Bad Hommage wird - aber es funktioniert erstaunlich gut. 

Ein Drogen-Business für die Ex 

Moritz, gespielt von Maximilian Mundt, muss nach einem Jahr der Trennung feststellen, dass seine Freundin Lisa (Lena Klenke) kein Interesse mehr an ihm hat: das Auslandsjahr hat sie verändert. Zeit für Moritz, das Gleiche zu tun: und was käme da Anderes in Frage, als einen internationalen Online-Shop für synthetische Drogen zu eröffnen? Klar, dass diese Idee einige Konsequenzen mit sich zieht. Aber die kommen Moritz gar nicht so ungelegen: immerhin sieht er sich bereits als nächster Mark Zuckerberg am Horizont.

Zwei Staffeln gibt es aktuell auf Netflix zu sehen: und die Dritte ist bereits in der Mache. Die Serie aus dem Hause der bildundtonfabrik (u.A. auch Produzent des Neo Magazin Royale) zeigt nach Dark und Dogs of Berlin als dritte Serie das Potential, das deutsche Netflix-Produktionen haben. 

Nerd Today, Boss Tomorrow

Man spürt, dass ein junges Team hinter How to Sell Drugs Online (Fast) steht. Memes, Gags, realitätsnahe Dialoge - die Serie kann alleine schon damit punkten, wie kurzlebig und schwungvoll sie einen durch den Abend bringt. Der Cast macht einen fantastischen Job dabei, sich in authentische Teenager zu verwandeln und wird durch bekannte Gesichter wie Bjarne Mädel (Der Tatortreiniger, Stromberg) ergänzt. Es macht unheimlich viel Spaß, dabei zuzusehen, wie sich Netflix’s hohe Produktionsqualität mit deutschem Screenwriting verbindet und etwas ganz eigenes schafft: die sympathische, sehr nah erzählte Story von ein paar Teenagern, die sich in Breaking Bad versuchen und dabei bei Ferris macht Blau landen. 

Vor allem die erste Staffel kann mit Innovation und Ideenreichtum überzeugen: die zweite Staffel hängt leider leicht hinterher. Die Gags zünden zwar teilweise noch besser als im Vorgänger, können jedoch nicht die Erfahrung ersetzen, die Charaktere zum ersten Mal kennenzulernen und mit ihnen erneut das Abi zu durchleben - das Abi, und den Aufbau eines internationalen Drogen-Imperiums.

Fazit: Absolute Binge-Empfehlung. Eine klassische Netflix-Serie - aber mitten in Rinseln, wo wir alle irgendwie ein bisschen Zuhause sind.