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Lars Niermann
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Serie [Charakterdrama, Mystery]

Nine Perfect Strangers

Resort-Leiterin Marsha umarmt eine junge Klientin, die sorgenvoll in die Ferne schaut

Amazon Prime Video
Eine Staffel, 8 Folgen

Charakterdrama, Mystery

Selbstoptimierung, Selbstfindung, Self-Love. Diese Themen finden sich aktuell beinahe überall. Nach Sky's "The White Lotus"-Serie beschäftigt sich jetzt auch Amazon Prime Video mit einem Selbstfindungstrip im Yoga-Resort - und das mit hochkarätiger Besetzung.

Zwei Charaktere im Yoga Resort greifen nach den ausgestreckten Händen des Anderen
Quelle: Amazon

Zwischen Grusel und Faszination

Gemeinsam mit den "neun perfekten Fremden" betreten wir das Tranquilium House, ein abgelegenes Spa-Resort, das seinen Schützlingen die ultimative Selbsterfahrung und innere Heilung verspricht. Dass das Ganze nicht ganz sauber wirkt, ist durchaus gewollt. In beinahe Hannibal-artiger Manier verfolgen wir die Zubereitung fragwürdiger Smoothies, werden immer wieder Zeuge seltsamer Szenen zwischen den Angestellten und sind uns selbst oft nicht ganz sicher, wo zur Hölle wir hier gelandet sind.

Stars und Sternchen zwischen Süßholz und Substanzen

Melissa McCarthy, Luke Evans und Nicole Kidman ergänzen den Cast um bekannte Gesichter, trotzdem bleiben es tatsächlich eher die anderen Schauspieler, die glänzen können. Besonders Familie Marconi, die einen schweren Schicksalsschlag durchleben musste, bringt ein einnehmendes Charakterdrama auf die Leinwand, das schnell zum heimlichen Träger der Serie wird. Die anderen Charaktere wirken mit ihren Problemen beinahe ein wenig fehl am Platz. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, aus dem die Serie gefühlt nicht so richtig in Fahrt kommt. Bringt anfangs noch jeder seinen ganz eigenen Hintergrund mit, weiß man bei den meisten Protagonisten spätestens ab der Hälfte, wohin der Hase läuft. Nicole Kidman als Spa-Leiterin Marsha bleibt zwar undurchsichtig, wirkt aber eher seltsam und unnahbar anstatt mysteriös und interessant.

Nicole Kidman steht in weißem Gewand vor dem Yoga Resort und breitet die Arme aus
Quelle: Amazon

Viel Ankündigung für wenig Endergebnis

Die ganze Zeit wartet man darauf, dass irgendetwas eskaliert - ob sich Nicole Kidman nun als wahnsinnige Fädenzieherin entpuppt, einer der Klienten durchdreht, oder es zum Todesfall kommt. Die Serie versteht sich darauf, die unterschwellige Anspannung von Folge zu Folger spürbarer zu machen und immer weiter zu steigern: nur, dass sie dann am Ende nicht wirklich irgendwohin führt. Die Handlung eskaliert nämlich erst sehr spät - und vielleicht ist es dann auch schon zu spät. Wo die ersten Folgen noch verheißungsvolle Spannungsbögen und Entwicklungen ankündigen, sind die letzten Episoden dann leider sehr vorhersehbar und wirken im Vergleich zum Anfang etwas flach. Am Ende ist man sich nicht ganz sicher, was für eine Geschichte hier erzählt wurde, denn wirklich viel passiert ist nicht, und eine klare Entwicklung abseits der Character Arcs gibt es auch nicht. Trotz abstruser Wendungen und interessanter Machart schmeckt das Finale dann doch eher nach fader Enttäuschung. Schade! Denn der Anfang ließ auf mehr hoffen.

Zwei Gäste des Resorts sitzen bei Kerzenschein am Tisch und schauen sorgenvoll zur Seite
Quelle: Amazon

Fazit:  Eingeschränkte Binge-Empfehlung. Interessante Idee, vielversprechender Anfang - aber dabei bleibt es dann leider.