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Stephan Kaiser
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Sense8_01
Serie [Drama, Diversity, Science Fiction]

Sense8

2 Staffeln, je ca. 12 Folgen
Netflix

Drama, Diversity, Science Fiction

Der Pride-Month neigt sich dem Ende zu - und wie könnte man ihn abschließen, ohne die eine Serie zu besprechen, die wie kaum eine Andere für das Motto Love is Love steht? 

Sense8 entsprang 2015 aus der Regie-Kooperation der Wachowski Schwestern (Schöpfer der Matrix-Trilogie) mit J. Michael Straczynski (Babylon 5). Mit innovativen Ideen und kreativem, teils provokantem Blick schöpften sie eine Serie, die nicht nur Emotionen und menschliche Verbindungen, sondern auch Diversity und die LGBTQ+ Community groß schreibt.

Acht Menschen teilen eine Psyche

Die Grundidee der Serie ist so simpel wie bestechend: acht zufällige Menschen auf der Erde werden von einem Tag auf den Anderen mental verbunden. Plötzlich spüren sie nicht nur die Gefühle der jeweils Anderen, sondern können auch auf deren Fähigkeiten zugreifen, indem sie miteinander kommunizieren oder sogar körperlich füreinander einspringen. 

Es ist vor allem die Umsetzung, die Sense8 immer wieder zu einem Erlebnis macht. Die acht Hauptcharaktere werden von Schauspielern des jeweiligen ethnischen Hintergrunds verkörpert: so spielt Max Riemelt (Die Welle, Freier Fall) beispielsweise den Berliner Safeknacker Wolfgang, und das ausschließlich in original Berliner Kulisse. Seine SchauspielkollegInnen stammen dabei aus Amerika, Indien und Südkorea und bringen dementsprechende Drehorte mit sich. In jeder Szene, jedem Set steckt ein Hauch der jeweiligen Kultur vor Ort, und das ist spürbar. Wenn Wolfgang und die Chemikerin Kala (Tine Desae) sich treffen, springt die Szenerie zwischen einem verregneten Kaffee in Berlin und einem Sonnenuntergang über den Dächern Indiens hin und her - und das ist so atemberaubend schön, dass man gar nicht mehr aufhören will, hinzusehen.

Ein unerwarteter Abbruch sorgte für Unmut

Leider hat genau dieser Produktions-Umstand auch seinen Preis. Und so hieß es 2017 überraschend von Netflix’ Seite: Aus der Zauber. Die hohen Produktionskosten der unzähligen Flüge und parallel arbeitenden Sets rechneten sich schlicht nicht mit dem Erfolg der Serie. Fans waren schockiert. Immerhin war Staffel 2 in einem Cliffhanger geendet, der nun scheinbar nie aufgelöst werden sollte. 

Unzählige Petitionen, Proteste und Aufrufe später, feierte die Community jedoch Erfolg: Netflix bewilligte ein abschließendes, dreistündiges Special, um Sense8 wenigstens einen narrativen Schluss zu geben. Und bis heute bin ich mir nicht sicher, ob der Cliffhanger nicht vielleicht doch die bessere Wahl gewesen wäre.

Zwei tolle Staffeln, ein wenig berauschendes Ende

Wo Staffel 1 noch neu, erfrischend und packend ist, führt Staffel 2 emotionale Plotlines weiter, sorgt für großartig aussehende Action-Szenen und vertieft den schwelenden Konflikt so weit, dass Sense8 zeitweise beinahe in Richtung des Thriller-Genres tendiert. Und dann...? Ja, dann kommt das Ende.

In drei Stunden versucht Lana Wachowski etwas zu beenden, was eigentlich noch für drei Staffeln angesetzt war. Ohne roten Faden, mit viel Action und Sex und eher willkürlich erscheinenden Charakterentwicklungen wirkt das Finale eher wie eine zusammengeschusterte Collage der vorangegangenen Staffeln. Schade! Aber verzeihlich, immerhin war für die Story etwas Größeres geplant. 

Im Endeffekt liefert Sense8 tolle Bilder und interessante Charaktere voller Witz und Charme - und all das mit breit aufgestellter Repräsentation und politischem Fingerspitzengefühl. Ich schaue die Serie immer wieder gerne und würde mir wünschen, wieder mehr dieser Produktionen zu sehen, die von einer innovativen Idee und dem Sinn für das große Ganze angefeuert werden.

Fazit: Absolute Binge Empfehlung für die ersten Staffeln. Wer sich darauf einlässt, sich in die Serie zu verlieben, muss allerdings leider mit einem Ende mit Schrecken rechnen - sorry!