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Stephan Kaiser
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WANDAVISION
Serie [Comedy, Marvel]

Wandavision

Wandavision
Disney+

Eine Staffel, Neun Folgen (20 - 50 Minuten)
Marvel, Superhelden, Mystery, Comedy

Der Bildschirm ist schwarz. Ein helles, fröhliches Intro ertönt. Das Bild verkleinert sich in eine klassische Schwarz-Weiß Optik - im nächsten Moment er-scheint ein alter Cadillac und bringt die beiden Hauptcharaktere ins Bild: Wanda (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany), im Hochzeitslook der 50er Jahre, vergnügt lachend und winkend.

 

Im völlig neuen Anstrich

Was uns nach dem vertrauten, knalligen Marvel Vorspann erwartet, erinnert erst einmal an alles andere als die bewährten Action Blockbuster, die bereits seit 2008 die Kinos füllen. Im Grunde sind die ersten beiden Folgen der neun-teiligen Serie simpel zusammenzufassen: sie zeigen uns eine klassische Sitcom der 50er Jahre. Die Hauptrollen übernehmen dabei jedoch zwei Charaktere, die im Marvel-Universum bisher eher aus anderen Szenen bekannt sind: Avenger Wanda Maximoff und ihr Partner, der humanoide Roboter Vision. Zuletzt waren beide in Avengers: Infinity War zusammen auf der großen Leinwand aufgetreten. Mit Wandavision gibt Marvel den Charakteren nun die Chance, sich vor allem auf emotionaler Ebene weiterzuentwickeln: in ungewohnt ruhigem Ton und mit viel Witz durchleben die beiden Protagonisten verschiedene Jahrzehnte in Form von bekannten Sitcoms. Von Modern Family bis Die Nanny finden sich in jeder Folge neue Anspielungen auf diverse namhaf-te Serien - und jede einzelne davon ist liebevoll und mit einem guten Auge fürs Detail umgesetzt.

Wandavision ist die erste von drei angekündigten Miniserien, die Marvel für das Jahr 2021 exklusiv auf Disney+ veröffentlicht: dabei orientiert sich die Serie ausnahmsweise nicht an einer Comic-Vorlage, sondern wurde extra für die Ausstrahlung konzipiert. Von dieser Freiheit profitiert die Geschichte sichtlich: sie wirkt wesentlich freier und losgelöst als einige Vorgänger, die teilweise an der etwas formelhaften Superhelden-Story kranken.

 

Ein Mysterium im Sitcom-Format

Lange Zeit wirft die Serie mehr Fragen auf, als dass sie sie beantwortet - aber vielleicht ist es genau dieser mysteriöse, teilweise beinahe bedrohliche Unterton, der mich jede Woche mit großer Span-nung auf die neuen Folgen hat warten lassen. Vermutlich bin ich nicht die Einzige, die nach Avengers: Endgame, spätestens jedoch mit Spiderman: Far From Home eine Art erzählerischen Schlussstrich im Marvel-Universum gesehen hat und mit dementsprechend niedrigen Erwartungen an die Miniserie herangetreten ist.

Umso überraschender ist die Intensität, mit der die Geschichte seine Zuschauer einfängt, an bekannte und neue Charaktere heranführt und bis zum Ende miträtseln lässt, was hinter dem unerwarteten Genre-Bruch steckt.

 

Frischer Wind im Superhelden-Genre?

Erst in den letzten beiden Folgen verliert die Serie etwas von ihrem neuen Schwung: ausgerechnet im Finale kehren die Macher zurück zu altbewährten Methoden und beenden die Geschichte nach gewohnter Marvel-Formel: mit einem actiongeladenen Finale voller visueller Effekte und Pathos. Für mich hätte es dieser bombastischen Effekte nicht bedurft, bestechen die ersten sieben Folgen doch gerade in ihrer Einfachheit und Sensibilität für Charakterentwicklung.

Wer bisher noch nicht auf den Marvel-Zug aufgesprungen ist, wird von der Serie wohl eher ratlos zurück gelassen: dennoch lohnt sich ein Blick sowohl für Marvel-Fans, als auch für Neulinge im Franchise. Wandavision schafft es, einen völlig neuen Akzent in Stil und Ausdruck zu setzen und hat mich dabei mehr als positiv überrascht. Marvel beweist erneut, dass seine Geschichten längst noch nicht auserzählt sind und wagt sich mit der Serie in ein völlig neues Genre.

 

Fazit:  Absolute Binge Empfehlung für alle Marvel-Fans und die, die es werden wollen.