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Oliver Tölke
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Film [Drama, Verlust, Herzkino]

Der Vogel

Melissa McCarthy liegt seitlich auf einem Feld, während ein Vogel auf ihrem Arm sitzt.

Netflix 
Drama, Verlust, Herzkino 

Schon Forrest Gump sagte einst: "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man bekommt."

Und ähnlich verhält es sich auch mit Netflix-Eigenproduktionen. Wenn man sich auf eines verlassen kann dann, dass die Filme aus dem eigenen Haus meist zuverlässig in den Top 10 Trends zu finden sind. Das ist wenig überraschend, aber noch längst kein Garant für einen guten Film. Manchmal bekommt man ein intensives, emotionales Drama, das einen Oscar nach dem Anderen gewinnt. Manchmal bekommt man einen lieblosen, unterdurchschnittlichen 08/15-Film ohne Biss oder Charme. Warum Der Vogel leider eher zur zweiten Kategorie zählt und wieso das besonders schade ist, das erfahrt ihr hier.

Melissa McCarthy und Kevin Kline sehen sich über einen Tisch hinweg an
Quelle: Netflix

Eine gute Idee, ein guter Cast

Die Prämisse des Films erzählt sich schnell. Lilly (Melissa McCarthy) und Jack (Chris O’Dowd) erleben einen furchtbaren Verlust, der ihre Ehe und gemeinsame Zukunft auf die Probe stellt. Während Jack seine Trauer in einer psychiatrischen Einrichtung bekämpft, kompensiert Lilly sie daheim, indem sie ihren Garten gegen einen aufmüpfigen Vogel verteidigt. In der Idee steckt eine sensible, ergreifende Geschichte von Liebe und Verlust: das Porträt zweier Menschen und der Kampf um ihre Beziehung. Die Hauptdarsteller machen einen fantastischen Job diese Geschichte zu erzählen, aber leider kommen sie am Ende doch nicht gegen das Gefühl an, dass die Handlung sich nicht richtig entwickeln kann und irgendwo zwischen Kitsch und Herzschmerz versandet.

Melissa McCarthy und Chris O'Dowd spazieren lachend und Händchen haltend durch einen Park.
Quelle: Netflix

Es scheitert am Vogel

...oder zumindest zuallererst dort. Denn wenn man sich irgendetwas erhoffen sollte von einem Film, der sich Der Vogel nennt, dann doch wenigstens einen echten Vogel... oder zumindest etwas, was diesem gleichkommt. Leider gelingt das nicht wirklich. Der Namensgeber des Films ist ein eher unterdurchschnittlicher CGI Effekt, und das sieht man wirklich in jeder einzelnen Szene. Teilweise wirkt es beinahe unfreiwillig komisch, wie Melissa McCarthy immer ein paar Zentimeter am nachträglich eingefügten Flügeltier vorbei schauspielt. Und das ist leider nicht der einzige Makel des Films.

Ein Spielfilm oder eine Musikvideo-Compilation?

Dass die Handlung eher flach wirkt liegt nicht nur an den unausgereiften Dialogen. Denn auf jede normale Szene kommt mindestens eine Schnittmontage, die eher an ein Indie-Musikvideo erinnert, als an einen atmosphärischen Einschub. Die 100 Minuten, die man für die Charaktere und ihre emotionale Reise nutzen könnte, verwendet man lieber für lange Autofahrten und wiederholte Inneinrichtungs-Sequenzen. So entsteht leider nie eine richtige Nähe zu den Protagonisten, weder auf emotionaler, noch humorvoller Ebene. Der Vogel dümpelt ein wenig zwischen den Genres hin und her, will mal charmant und gewitzt sein, mal ernst und drastisch. Was am Ende dabei herauskommt ist leider nichts Ganzes und nichts Halbes. Es ist kein schlechter Film, aber auch kein guter - man kann ihn ohne weiteres einmal schauen, aber wahrscheinlich kein zweites Mal.

Fazit: 2,5/5 Tierarzt-Therapeuten. Cast und Prämisse geben ihr Bestes, aber sie retten den Film leider nicht davor, sein Schicksal im unteren Durchschnitt zu fristen.


Unsere Serien- und Film-Expertin

Hannah Schürkamp - Film-Enthusiastin & Studentin (Geschichte, Englisch)

Hannah Schürkamp sitzt auf einem Sofa und schaut zur Seite
Foto: Sebastian Schütte

Nach zwei Semestern Medien-Studium habe ich mich schlussendlich dagegen entschieden, beruflich am Set zu arbeiten - meine Begeisterung für Filme und Serien hat dadurch jedoch nicht abgenommen. Egal welches Genre, ob Streaming, Kino oder DVD, Hollywood-Klassiker oder Low Budget-Produktion: sowohl gute als auch weniger gute Filme schaue und diskutiere ich unvoreingenommen und mit viel Liebe für die Sache.

Über Anregungen und Kommentare freue ich mich!