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Andreas Grunwald
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Cargo_011
Film [Thriller, Apokalypse]

Cargo

Cargo (2018)
Netflix

Apokalypse, Zombies, Thriller

Das Zombie Film Genre hatte wohl noch nie zuvor einen so bitteren Beigeschmack getragen, wie jetzt. Wer sich abends den Streaming-Diensten widmet, um sich vom tagtäglichen Pandemie-Wahn abzulenken, findet aktuell wohl eher weniger Gefallen an blutrünstigen Geschichten über die Seuche der Untoten. Allen Apokalypsen-Fans mit dickerer Haut kann ich mit diesem Rewatch Tipp aber vielleicht einen Gefallen tun: Cargo gehört zu den eher weniger rezipierten Zombiefilmen der letzten Jahre und dürfte vielen bisher unbekannt sein.

Ein cineastisches Meisterwerk ist Cargo sicherlich nicht. Und auch in anderer Hinsicht bleibt der Film hinter den klassischen Zombie-Slasher Erwartungen zurück: anstelle von blutiger Action und Grusel-Horror setzt die Produktion eher auf beklemmende Atmosphäre und emotionale Tiefgänge. Und das ist gar nicht verkehrt.

Mit Kleinkind durch den Zombie-Horror

Im Zentrum der Handlung steht der Vater Andy, der mit seiner einjährigen Tochter Rosie im australischen Outback ein Wettrennen gegen die Zeit bestreitet. Ihm bleiben nur wenige Tage, um für seine Tochter einen sicheren Ort zu finden - und die verzweifelte Sorge um die eigene Tochter inmitten der erbarmungslosen Zombie-Wüste ist genau das, was die Handlung trägt. Martin Freeman macht einen fantastischen Job als Hauptdarsteller und trägt einen Großteil des Films mit seinem intensiven Charakter-Schauspiel. Die Produzenten des Films bestätigen das: "He makes sure that every single moment, every line, every action is completely real. [...] it’s just beautiful to watch." ("Er sorgt dafür, dass jeder einzelne Moment, jede Zeile, jede Bewegung absolut real wird. Es ist einfach wunderbar anzusehen.") Aber auch die Szenerie und die Etablierung nativer australischer Kultur trägt dazu bei, dass das Zombie-Genre sich durch Cargo einmal mehr neu erfindet und etwas ganz eigenes schafft. Wer sich von ein paar Logiklücken losmachen kann, findet eine wunderbare Ästhetik und liebevolle Gestaltung in der Produktion des Films.

Hält der Film, was er verspricht?

Die mitreißendste Sequenz des Films ist definitiv die erste Hälfte - das, was am Anfang noch innovativ und einnehmend ist, schwächt zum Ende hin leider ab. Die Handlung birgt keine großen Überraschungen und endet in einem Pathos-schwangeren Finale, das ruhig etwas nüchterner hätte sein dürfen. Man spürt, dass die Produktion auf einer Kurzfilm-Idee basiert, die 2013 im Internet viral gegangen ist: Yolanda Ramke schafft es, in ihrem Regiedebüt eine packende Prämisse einzufangen, die dann gegen Ende leider etwas den Drive verliert. Einen spannenden Abend hat man mit dem Film allemal - ich empfehle unbedingt einen Watch-Partner, den man zwischendurch schütteln kann, wenn man die Sorge um die kleine pausbäckige Rosie nicht mehr aushält.

Fazit: 3/5 Pandemie-Babies

Die erste halbe Stunde ist ein packendes Meisterwerk - und dafür lohnt es sich allemal, ob Zombie-Fan, Australien-Fan, oder Freeman-Fan.