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Oliver Behrendt
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Abzocke beim Ticketkauf

Band bei einem Konzert auf der Bühne, es scheint blaues Licht

19. Februar 2024

  • Konzerte werden immer teurer, trotzdem sind Konzerte von Stars wie Adele und Taylor Swift in Minuten ausverkauft.
  • Betrügende und Abzockende nutzen die hohe Nachfrage nach Tickets durch Fälschungen und teuren Weiterverkauf aus.
  • Wer nach Tickets für ausverkaufte Shows sucht, sollte sich vor allem auf den offiziellen Händlerseiten umschauen.

„Es gibt Künstler, die sich darum kümmern, die fair sind, und es gibt Künstler, die letztendlich nicht mehr Teil der Popkultur sind, wenn man es so brutal sagen will, sondern Teil des Musikkapitalismus. Denen es nicht mehr auf Musik und Teilhabe aller Menschen ankommt, sondern lediglich auf ihren Profit.“

Berthold Seliger, Konzertveranstalter gegenüber der Abendzeitung

Der Preis ist hoch, die Nachfrage noch höher

Unser Lieblingskünstler oder Künstlerin tritt bei uns in der Nähe auf, wir wollen natürlich dabei sein. Wir eilen zum Computer, um Tickets zu ergattern und erstarren vor Schreck: Die Preise sind absurd hoch. Selbst die Plätze ganz hinten im Saal kosten uns hohe dreistellige Summen. Wenn sie überhaupt noch verfügbar sind. Allein im vergangenen Jahr stiegen die Preise für Konzerte und Veranstaltungen im Vergleich zu 2022 durchschnittlich um bis zu 15%. Trotz der hohen Preise ist die Nachfrage gigantisch. Konzerte für Stars wie Taylor Swift und Harry Styles sind innerhalb von Minuten ausverkauft.

Wo kommen diese Preise her?

Laut Veranstaltern liegt der Grund für die hohen Preise vor allem an der Inflation und den gestiegenen Personal- und Energiekosten. Gleichzeitig sehen Expertinnen und Experten aber auch das Quasi-Monopol der Ticketanbieter als entscheidenden Faktor. So wickelt das Unternehmen CTS Eventim ca. 85% der gesamten Ticketverkäufe in Deutschland ab. Konzertveranstalter und Branchenexperten Berthold Seliger beschreibt, dass aber auch die Künstlerinnen und Künstler durch die hohen Preise kräftig mitverdienen wollen. Er stellt klar: „Die Fans müssen sich von der Vorstellung verabschieden, dass die Künstler immer ihre Freunde sind. Das ist nicht der Fall."  

Zwischen Betrug und Abzocke - im Internet müssen wir vorsichtig sein

Wer Pech hatte und das Wunschkonzert auf den offiziellen Verkaufsseiten ausverkauft ist, versucht sein Glück meist anschließend im Internet. So genannte „Zweitmarkt-Plattformen“ sind von den Erstverkaufsstellen unabhängig. Privatpersonen, die z.B. doch nicht zu einem Event können, haben hier die Möglichkeit ihre Tickets weiterzuverkaufen. Wir müssen jedoch vorsichtig sein, da manche Tickets bspw. an den Namen des Kaufenden gebunden sind und uns deswegen eventuell der Einlass zum Event verwehrt wird, wenn wir das Ticket stattdessen übernehmen wollen. Außerdem sind nicht alle dieser Plattformen seriös oder verfügen über genügend Kontrollinstanzen, sodass es immer wieder zum Verkauf von gefälschten Tickets kommen kann. 

12.000 Euro für ein Konzertticket

Neben Betrug gibt es aber auch andere Machenschaften, mit denen die Hoffnungen der Fans ausgenutzt werden. So genannte „Scalper“ haben es nur auf den eigenen Profit abgesehen. Sie ergattern direkt nach Verkaufsbeginn möglichst viele Karten. Danach bieten sie die Tickets zu Halsabschneider-Preisen im Internet an. So verlangten die Abzocker für ein Adele-Konzert bis zu 12.000 Euro. Zwar wissen die Veranstalter von solchen Praktiken und gehen gegen diese vor, der große Erfolg gegen die Scalper bleibt bisher jedoch aus. Auch das Branchen-Insider-Netzwerk FEAT (Face-Value European Alliance for Ticketing) prangert Scalping an. Der Verbund hat sich zum Ziel gesetzt, gegen den Profit aus dem Weiterverkauf von Tickets zu kämpfen. Ihre Position machen sie auf ihrer Website deutlich: „Der Aufstieg des Internets hat zum Wachstum einer riesigen, geldgierigen Ticket-Wiederverkaufsbranche geführt!“

Wie kann ich mich schützen?

Bevor wir einen Kauf über eine Plattform tätigen, sollten wir uns immer erst versichern, dass es sich um einen seriösen Anbieter handelt. Viele Erstverkäufer geben auf ihrer offiziellen Homepage an, mit welchen Zweitplattformen sie zusammenarbeiten, um Privatpersonen den sicheren Weiterverkauf ihrer Tickets zu ermöglichen. Außerdem gilt die Faustregel: Ist ein Ticket-Angebot zu gut, um wahr zu sein, ist es das wahrscheinlich auch nicht. Es macht zudem Sinn, die AGB zu lesen, denn manchmal ist ein Weiterverkauf dort ausgeschlossen oder man findet Hinweise darauf, ob es nur digitale Tickets gibt o.ä.
Wenn es dann doch mal zu unschönen Erfahrungen kommt, zum Beispiel zum Kauf von gefälschten Tickets, nicht direkt verzweifeln: Oft lohnt es sich, mit den Plattformen in Kontakt zu treten und das Geld zurückzufordern. Die Verbraucherzentrale bietet hier Vorlagen und Tipps, wie wir uns wehren können. Und das Portal mimikama empfiehlt Hardcore-Fans, sie sollen erstmal abwarten. Häufig sinken die Preise nach dem ersten Ansturm…


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Eine Person die eine Computertastertur mit Maus bedient


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